Hildesheimer Trainerseminar: Neuauflage im Juni 2013?

Nach dem Seminar ist vor dem Seminar: Schon kurz nach Ende des „13. Hildesheimer Trainerseminars“ (von Freitag bis Sonntag in der Hildesheimer Sparkassen-Arena) nahmen sich Gerald Oberbeck, Geschäftsführer der Eintracht, und HVN-Bildungsreferent Volker Uecker Zeit, erste Blicke in die ausgefüllten Teilnehmerbewertungen zu werfen. Oberbeck und Uecker, die beiden verantwortlichen Seminar-Organisatoren, gaben sich entspannt: „Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein“, formulierte der Eintracht-Geschäftsführer.

Renate Schubert (r.) im Kreis der E-Jugendlichen der Einracht aus Hildesheim.

Dass Eintracht und Verband für 2013 eine Neuauflage ins Visier nehmen, scheint außer Frage. Gerald Oberbeck nannte bereits einen Planungstermin: „Wir denken über das Wochenende von Freitag bis Sonnabend, 14. bis 16. Juni nach.“ Zu möglichen Inhalten äußerten sich am Sonntagmittag während der Verabschiedung weder Oberbeck noch Volker Uecker. Nur so viel: Man setze bei den Planungen des „14. Hildesheimer Trainerseminars“ erneut auf Vielfalt…

Renate Schubert

Den Abschluss des „13. Hildesheimer Trainerseminars“ hatte  am Sonntagvormittag Renate Schubert gestaltet. Gabriele Wach, Vizepräsidentin Bildung und Entwicklung des Handball-Verbandes Niedersachsen, bezeichnete Schubert im Beisein von HVN-Präsident Wolfgang Ullrich als „einen Stammgast“ der Veranstaltungsreihe, „der seit über 20 Jahren im Thema ist“. Der Seminar-Einheit „Üben und Kräftigen“ gingen Ausführungen zur Vielseitigkeit voraus.

Die Sportwissenschaftlerin forderte auf, Konzepte immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. „Vieles ist gut, manches geht besser…“

Anhand des „Bielefelder Modells“ stellte Schubert die Wege vor, die der Handball-Kreis „Bielefeld-Herford“ gegangen war, um die Vielseitigkeit speziell im E-Jugend-Bereich zu stärken; unter anderem durch die Modifizierung der Regeln (Größe Spielball, Penalty ersetzt „7-Meter“ – „,7-Meter‘ ist im weiblichen E-Jugend-Bereich nicht unbedingt eine Bestrafung“), vor allem aber durch die Einführung von speziellen Wettbewerbstagen. „Von 16 Übungen, die die Vereine kennen, werden im Wettstreit acht eingesetzt. Bei allen legen wir viel Wert auf koordinative Fertigkeiten.“

Die Eröffnung

Vizepräsidentin Gabriele Wach hatte am Freitagabend das „13. Hildesheimer Trainerseminar“ eröffnet. Die „Präsidiale“ gab sich mit Blick auf die 167 Namen fassende Teilnehmerliste angenehm überrascht. „Das ist Rekord“, stellte sie bei der Begrüßung fest.

Volker Uecker sprach von der höchsten Teilnehmerzahl seit Einführung des Seminars, das zur Verlängerung der C- und B-Lizenz anerkannt wird. Gerald Oberbeck: „Wenn wir schon 73 Anmeldungen haben, bevor wir auch nur einen Programmpunkt veröffentlichen, hat das etwas mit einem Vertrauensvorschuss zu tun. 167 Teilnehmer sind aber  auch Ansporn, weiter an der Qualität der Veranstaltung zu arbeiten.“

25 Teilnehmer waren aus benachbarten Landesverbänden angereist, zwei aus dem angrenzenden Ausland. Volker Uecker: „Ein Beweis der Akzeptanz der Veranstaltung.“

Heine Jensen

Als erster Referent stellte sich Freitagabend in Hildesheim Frauen-Bundestrainer Heine Jensen vor. Jensen sprach über die Anforderungen, die der Deutsche Handballbund an seine Auswahlspielerinnen stellt, vor allem im Bereich der balltechnischen Fertigkeiten. Mit den Nachwuchs-Athletinnen, die derzeit am DHB-Stützpunkt in Hannover zusammengefasst sind, vermittelte der Bundestrainer im Zuge der Schulung von Auslösehandlungen (unter anderem Stoßen und Kreuzen) Trainingsanreize zur Optimierung des Entscheidungsverhaltens.

Christopher Nordmeyer

Auf die Anforderungen, die der Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf an Nachwuchs-Talente stellt, ging Christopher Nordmeyer ein. Die Kernaussage: Wer sich aus der zweiten Mannschaft für „Liga eins“ empfehlen will, muss besser sein als der Mitbewerber auf entsprechender Position in der Profi-Mannschaft. Die Spieler müssten wollen, auch Bereitschaft signalisieren, andere Dinge zurückzustellen.

Aron Ziercke

Den Seminar-Sonnabend eröffnete Aron Ziercke, Co-Trainer des Bundesligisten GWD Minden und Verfechter einer Intensivierung des Stabilisationstrainings im Jugendbereich: Fußball zum „Warm-Up“ der Trainingseinheit? Für Ziercke ein „No Go“. „Man sollte jede Minute nutzen – und das fängt beim Aufwärmen an...“ Laufeinheiten, kombiniert mit Kräftigungsübungen, Arbeiten in Kleingruppen mit Wettbewerbscharakter. Ziercke brachte die Bundesliga-A-Jugend der Eintracht Hildesheim ins Schwitzen.

Khalid Khan

Mit Khalid Khan (Eintracht Hagen) hatten Gerald Oberbeck und Volker Uecker einen weiteren „Hochkaräter“ für den Sonnabend verpflichtet: Dem Seminarbaustein „Individuelle Kreisläuferschulung“ ging die Einheit „Highspeed-Handball“ voraus.  „,Highspeed-Handball’ ist Teil der Spielauffassung “, sagte Khan. Aber: „Schnell ist nicht immer gleichzusetzen mit ‚effektiv´.“ Fehler seien im „Highspeed-Handball“ unumgänglich. Ziel der Trainingseinheiten müsse sein, „den Spielern das Gefühl für Tempo, Raum und Zeit“ zu vermitteln. „Wer keine Fehler macht, geht nicht aufs Ganze.“

Andreas Thiel

Sein Spitzname „Hexer“ war lange Jahre Programm: Andreas Thiel, 256-facher Nationaltorhüter und heute DHB-Torwarttrainer, brauchte Gerald Oberbeck, Geschäftsführer von Eintracht Hildesheim, den Teilnehmern des „13. Hildesheimer Trainerseminars“in der Sparkassen-Arena nicht mehr vorstellen. Eine Beurteilung der Leistungen des 52-Jährigen konnte sich Oberbeck dennoch nicht verkneifen: „Er ist der Mann für Torwarttraining." Die Betonung lag auf dem Wort „Der“.

Thiel, von Haus aus Jurist, fackelte nicht lange, forderte die Trainer auf, die Torleute in ihren Trainingsplanungen nicht zu vernachlässigen: „Es kann nicht sein, dass der Torwart beim Laufen das Schlusslicht der Gruppe ist.“ Die Mindest-Anforderungen, die der DHB-Torwarttrainer an seine „Kollegen“ stellt, hat der 52-Jährige klar definiert: „Aktionsschnelligkeit, um nicht zu sagen Explosivität, Geschick – und nicht zuletzt Rumpfstabilität.“ Wie man die Stabilität des Rumpfes und Aktionsschnelligkeit stärken kann, demonstrierte der DHB-Torwarttrainer in der gut 90-minütigen Praxiseinheit. Thiel zur Aktionsschnelligkeit: „Ich bevorzuge Schulungen der Wahrnehmung. Voraussetzung ist, dass der Torhüter seinen Verstand einsetzt.“

Klaus Feldmann

Zum zwölften Mal hatte Eintracht-Geschäftsführer Gerald Oberbeck Klaus Feldmann („handball-akademie.de“) als Referent zum „Hildesheimer Trainerseminar“ gebeten. Gut vier Stunden stand Feldmann in der Bütt.

Die Themen, die Oberbeck, neben HVN-Bildungsreferent Volker Uecker „Chef“-Organisator der Gemeinschaftsveranstaltung, Feldmann in das Programm geschrieben hatte, klangen zunächst nach trockener Theorie: „Entwicklung der Spielfähigkeit in der Grundlagenschulung“ und „6:0-Abwehr einmal anders“.

Wenn auch zumindest die C- und B-Lizenz-Inhaber unter den Teilnehmern die Praxiseinheit als Wiederholung empfanden, legte der Referent doch Wert auf Tiefgang: „Das Spiel lebt davon, dass sich der Spieler zwischen Handlungsalternativen entscheiden kann – und das schließlich auch tut. Spielfähig ist man dann, wenn man einen eigenen Plan hat, aber auch auf den des Gegners reagieren kann. “ Die meisten Fehler während eines Spiels seien nicht etwa technische, sondern Entscheidungsfehler.

Die Übungen, die Feldmann im anschließenden Praxisteil mit der männlichen D-Jugend von Eintracht Hildesheim vorstellte, könnten der Automation von Entscheidungsprozessen dienen.

Feldmann beschäftigte sich mit Räumen: „Anfänger brauchen große Räume“, formulierte der Referent mit Blick auf die D-Jugend. „Ziel der Abwehr ist grundsätzlich der Ballgewinn, im Training schult der Angriff die Abwehr.“ Er selbst favorisiere schon im D-Jugendbereich die sinkende Manndeckung. „Die beste Variante für den Übergang von der Mann- zur Raumdeckung.“

Für den Angriff stellte Feldmann Grundregeln auf: „Spielräume öffnen, Vorfahrt für den Ballführer, Sicherung des Ballführers, Verlagerung des Spiels...“ oti

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