Grobe/Kinzel: Konkurrenten – Schiedsrichter – Freunde

Der gemeinsame Weg von Sebastian Grobe und Adrian Kinzel führt steil bergauf: Als sie sich kennen lernten, waren sie noch Konkurrenten um den einen Platz im Tor der damaligen A-Jugend-Oberligamannschaft des MTV Braunschweig. Das war im Jahre 2001, also vor mehr als zehn Jahren. Damals beschlossen die Eltern von Sebastian und Adrian, dass die beiden doch mal gemeinsam ein Spiel pfeifen sollten. Nach einer Idee der Familien Grobe (Sebastian) und Kinzel (Adrian) bildeten die beiden fortan ein Schiedsrichter-Duo.

Sebastian Grobe (l.) und Adrian Kinzel hatten ihren ersten Einsatz bei einem Spiel in der DKB-Handball-Bundesliga. Foto: Germer

Und wurden vor allem durch die Familien gefördert. Adrians Vater war Vorsitzender des Handballkreises Salzgitter, der Papa von Sebastian seinerzeit Schiedsrichteransetzer.

Einer, der die Möglichkeiten der beiden als Schiedsrichter frühzeitig erkannte, war Sebastians Onkel Sigurt Grobe – damals wie heute Leiter der SG Zweidorf/Bortfeld. Er war es auch, der Adrian zu einem Vereinswechsel in die SG überredete. Die gemeinsame Laufbahn begann mit einer Partie in der B-Jugend-Oberliga. „Natürlich gleich unter Beobachtung“, erinnert sich Sebastian. Von diesem Moment an ging es eigentlich nur noch bergauf.
Heute gehören Sebastian Grobe und Adrian Kinzel neben den weiteren Gespannen aus dem Anschlusskader (Florian Gerhard/Tobias Küsters, Peter Behrens/Marc Fasthoff, Martin Thöne/Marijo Zupanovic) zum Kreise derer, die zurzeit die besten Aussichten haben, in den Elitekader des DHB aufzurücken.

Noch nicht einmal 30-jährig, haben die beiden den Sprung auf die zweithöchste Stufe des DHB geschafft. Danach kommt national nur noch der Elitekader. Allerdings: Um diesen letzten nationalen Schritt zu machen, haben Sebastian Grobe und Adrian Kinzel nicht unbegrenzt Zeit. Nach höchstens drei Jahren geht es normalerweise zurück in den B-Kader.

Hans-Jürgen Gottschlich, Schiedsrichterwart im Handballverband Niedersachsen, hält Grobe/Kinzel für ein Gespann mit herausragenden Perspektiven. Er beschreibt die beiden als „engagiert und leistungsfähig“. Dass sie darüber hinaus noch jung und schon erfolgreich sind, ist offenkundig. Gottschlich ist sich sicher, dass die beiden ihren Weg machen werden.

Die Karriere als Handballschiedsrichter habe ihn laut eigener Einschätzung auch im beruflichen Umfeld voran gebracht, stellt Grobe, Wirtschaftsingenieur in Diensten von VW-Immobilien, fest. Obwohl schon seit mehr als zwei Jahren dabei, muss Sebastian immer noch Fragen beantworten, was es denn beim jüngsten Einsatz Besonderes gegeben habe. „Meine Kollegen sind voll dabei“, schmunzelt Grobe. Eine Feststellung, die auch der Arzt Adrian Kinzel bestätigen kann. „Es braucht verständnisvolle Arbeitskollegen“, unterstreicht der Wahl-Bochumer.

Obwohl beide schon weit gekommen sind in der Schiedsrichterei, haben sie immer noch das gemeinsame Ziel: Bundesliga. „Ich habe früh erkannt, dass ich es als Schiedsrichter weiter bringen könnte denn als Spieler“, stellt Adrian Kinzel fest. Außerdem habe er beim Pfeifen mehr Spaß gehabt. Und: „Es war und ist von Anfang an das große Ziel gewesen, Bundesliga-Schiedsrichter zu sein“, unterstreicht der Mediziner die gemeinsamen Ambitionen. Dass dabei neben dem Amt an der Pfeife kaum Zeit für andere Dinge bleibt, wissen die beiden. Andere Hobbys lässt die Zeit kaum zu, denn zur Spitzen-Schiedsrichterei gehört natürlich auch ein umfangreiches körperliches Fitness-Training.

Mehrfach wöchentlich steht Joggen auf dem Programm. Dazu kommen regelmäßige Stützpunkt-Trainings mit Schiedsrichter-Kollegen oder Einheiten bei Bundesliga-Vereinen. Die verbleibende Freizeit ist dann für Familie, Freunde und Hund reserviert. Wobei für beide die eigene Familie noch Zukunftsmusik ist – obwohl zumindest Sebastian in festen Händen ist.

Gemeinsam ist beiden vor den Einsätzen dieses „besondere Kribbeln“: Lampenfieber! „Mit dem Anpfiff ist das aber verschwunden“, stellt Adrian Kinzel fest. Dann überwiege die Konzentration auf das Spiel. Für Sebastian Grobe ist genau dieses Gefühl vor dem Anpfiff einer Partie ein wichtiger Grund, den ganzen Aufwand überhaupt auf sich zu nehmen.

Absolut unverzichtbar ist das gegenseitige Vertrauen und Verständnis. Aus Torhüter-Konkurrenten ist ein Schiedsrichtergespann geworden - und eine enge Freundschaft entstanden, beschreibt Kinzel die Entwicklung. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht wenigstens kurz telefoniert“, sagt Kinzel. Grobe stellt dazu fest: „Adrian kennt mich wie kaum ein anderer. Dieses gegenseitige Vertrauen ist eigentlich nur Schiedsrichter-Kollegen zu erklären.“ Richard Germer