DHB-Präsident Bauer: „Wenn nötig, Schneisen schlagen“

Am Tag eins nach dem 31. Bundestag des Deutschen Handballbundes in Düsseldorf befindet sich das Gros der Delegierten wieder auf der Heimreise. Was bleibt, sind ein teilerneuertes Präsidium - und Absichtsbekundungen, den Verband nach vorne bringen zu wollen. Die erhoffte Initialzündung blieb in Düsseldorf aus. Ob die Forderung des neuen Präsidenten an die Vertreter der Landes- und Liga-Verbände, „gemeinsam das Schiff in die Zukunft zu bringen“, auf Gehör stößt, bleibt abzuwarten.

Soll helfen, Wege zu bereiten: Bob Hanning (r.).

Bernhard Bauer will „viel bewegen“, weiß aber auch um die Besonderheit der „Dreifaltigkeit“ des deutschen Handballs. 

Vorgänger Ulrich Strombach ließ bis zum Ende seiner Amtszeit Sonnabendmittag nicht nach, auf Konflikte in der Interessengemengen hinzuweisen. Augenmaß sei erforderlich, um die Interessen des DHB selbst, seiner Landes- und der Liga-Verbände unter einen Hut zu bringen. „Ich glaube, eine erhöhte Kooperationsgemeinschaft festzustellen“, sagt der scheidende Gummersbacher, an dem 15 Jahre Amtszeit an der Spitze des Präsidiums nicht spurlos vorbeigegangen sind. Müde wirkt er während des 31. Bundestages, fast schon anteilnahmslos. Seine Empfehlung an Nachfolger Bauer, zuerst das Erreichte sicherzustellen, erst dann das Verbesserungswürdige anzugehen, klingt nach Resignation, aber auch nach Mahnung.

Um nachhaltig attraktiv zu sein, müsse man die Veränderung beherrschen, sagt der neue Mann an der Spitze des Deutschen Handballbundes. Er wolle ausgetretene Wege verlassen, wenn nötig, auch Schneisen schlagen. Wegbereiter in der  Mannschaft Bauers dürfte dabei vor allem Bob Hanning sein, der augenscheinlich mit allen Wassern gewaschene Berliner, der als Mann der Bundesliga das Zusammenspiel mit den Medien beherrscht, wie kein zweiter. Dass Bauer mit Andreas Michelmann (Sachsen) und Rolf Reincke (Hamburg) gleich zwei Landesfürsten an seine Seite holt, mit Dr. Anja Matthies (Hamburg) auch eine Frau in das neue Präsidium, wirkt wie Taktik.

Einen Acht-Punkte-Plan hat sich Bernhard Bauer selbst auf die Agenda geschrieben, nach der er den partnerschaftlichen Umgang in Handball-Deutschland fördern und Leitgedanken entwickeln wolle, um stets „auf der Höhe des Balles“ zu sein. Jugend, Bildung und Schule seien Schlüssel für die Zukunft, wohl auch zur Stärkung des Breitensportes. Kommunikation genieße Priorität, intern, aber vor allem auch extern. Innovationen fordert der neue Mann, sich dem Wandel anzupassen, um Chancen zu nutzen, aber auch, um am Haus des europäischen Handballs „mitzubauen“.

Ziele, die Bauer und Team verfolgen, die aber auch eine Stärkung der Hauptamtlichkeit erfordern, die über eine bloße Inthronisierung eines möglichen Generalsekretärs hinausgehen dürften. Für Gesprächsstoff in den Landesverbänden ist gesorgt. Andere Wege zum Ziel stehen in der (Handball-)Öffentlichkeit derzeit noch nicht zur Debatte.

Was bleibt, sind ein teilerneuertes Präsidium - und Absichtsbekundungen, den Verband nach vorne bringen zu wollen. Die erhoffte Initialzündung blieb in Düsseldorf aus. Carsten Schlotmann