Hundert Tage beim HVN – Markus Ernst

Seit dem 1. Oktober 2020 ist Markus Ernst Geschäftsführer beim Handball-Verband Niedersachsen (HVN). Jörg Zehrfeld sprach mit dem 39-Jährigen über die ersten 100 Tage beim HVN.

Markus Ernst ist 100 Tage als Geschäftsführer beim HVN. - Foto: Schlotmann

Wie ist dein Eindruck nach den ersten 100 Tagen?

Ernst: Ich habe einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Das Team in der Geschäftsstelle zeichnet sich durch eine hohe Eigenmotivation und eine hervorragende Gemeinschaft aus, was für ein erfolgreiches Arbeiten in unserer Mannschaftssportart auf und neben dem Spielfeld sehr wichtige Attribute sind. Das Präsidium und Gerald Glöde haben hier in der Vergangenheit professionelle Strukturen geschaffen, von denen wir jetzt profitieren und auf die wir zukünftig aufbauen können.

Konntest du schon ausreichend Kontakte im Verband aufbauen?

Ernst: Ich hatte das große Glück, dass ich schon vor meinem Start im Oktober an mehreren Präsidiumssitzungen sowie einer erweiterten Präsidiumssitzung teilnehmen konnte. Dadurch habe ich einige Personen bereits vorab kennengelernt. Ich sehe den Netzwerkaufbau bei der Größe des Verbandes aber auch als einen stetigen Entwicklungsprozess an. Mein Zahlengedächtnis ist generell besser als mein Namengedächtnis, so dass es schon mal vorkommen kann, dass ich einen Namen nicht sofort parat habe (schmunzelt). 

Fühlst du dich gut eingearbeitet?

Ernst: Die Einarbeitungszeit durch Gerald Glöde, der bis zum 31. Januar als Geschäftsführer noch mit an Bord ist, ist sehr wichtig und dient als Fundament für meine weitere Entwicklung.    

Als du dich im letzten Jahr auf die Stelle beworben hast, hat dich besonders gereizt…

Ernst: …die Vielseitigkeit und Komplexität der Aufgabe. Von den Handball-Minis über ambitionierte Amateure bis zu den werdenden Profis in unseren Kadermannschaften – es gibt einen äußerst bunten Strauß an Themen, an denen ich aktiv mitwirken möchte.

Bei deiner Bewerbung im März standen wir kurz vor dem ersten Lockdown und Saisonabbruch. Mittlerweile erleben wir eine Spielzeit, die noch gar nicht richtig angefangen hat. 

Ernst: Wir hatten die - leider trügerische - Beruhigung der Infektionszahlen im Sommer, als sich die Leute viel draußen an der frischen Luft aufgehalten haben. Dadurch lief die Vorbereitung auf die neue Saison bei vielen Mannschaften nahezu normal ab und wir haben uns alle auf den Saisonstart im Oktober gefreut. Durch den erneuten exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen sind wir dann aber kurz nach dem Verlassen des Startblockes jäh ausgebremst worden.

Nach der Pandemie ist - hoffentlich bald - wieder Spielbetrieb. Du siehst deine ersten Aufgaben in der Bewältigung der Pandemiefolgen?

Ernst: Die Corona-Pandemie ist für den Vereinssport insgesamt eine gewaltige Herausforderung, die wir nicht unterschätzen dürfen. Es wird nach dem Ende der Pandemie eine Kernaufgabe von uns allen sein, die Vorteile und Werte unserer Sportart wie Gemeinschaft, Zusammenhalt oder Fairness aufzuzeigen, um dem zunehmenden Trend der Individualisierung in der Gesellschaft kraftvoll entgegenzuwirken. Themen wie Mitgliedergewinnung, Aus- und Weiterbildung von Trainern und Übungsleitern stehen mit Sicherheit ziemlich weit oben auf der „To-do-Liste“. Dafür benötigen wir viel Kreativität, aber auch den Mut, neue Wege zu gehen und Angebote wie beispielsweise die Grundschul- oder Inklusionsliga schnell zu schaffen. Dies wird uns aber nur im Zusammenspiel mit dem ehrenamtlichen Engagement in den Regionen und den Vereinen gelingen.