Abschied eines Urgesteins: Peter Görgen sagt Servus beim VfL Oldenburg

Peter Görgen hat die Landschaft des Frauenhandballs in Deutschland seit über drei Jahrzehnten mitgeprägt. Drei Gewinne des DHB-Pokal, zusätzlich drei Finalteilnahmen sowie der Gewinn des Challenge Cups und des Supercups 2009 – die sportliche Bilanz seiner Amtszeit stimmt. Nach 25 Jahren als Geschäftsführer und sogar 33 Jahren als Handballabteilungsleiter beim VfL Oldenburg übergibt Görgen nun zum Jahresende an Andreas Lampe.

Peter Görgen. - Foto: Jörg Zehrfeld

„Peter hat mich während der letzten Monate gut eingearbeitet. Allerdings stehen da jetzt auch ein paar Riesenstiefel von ihm, ich kann da zunächst nur ein Paar Turnschuhe danebenstellen“, sagt Lampe selbst über seinen Vorgänger. Mit Peter Görgen, über seine Erlebnisse beim VfL Oldenburg und seinem Wunsch für die Zukunft des Frauenhandballs, sprach Jörg Zehrfeld.

Du hast 1982 nach einem schweren Dienstunfall bei VfL Oldenburg als Funktionär angefangen….

Görgen: Ja, unser damaliger Abteilungsleiter Erhard Erlebach fragte mich und ich habe dann ab September 1982 ehrenamtlich zunächst auf Kreisebene mitgearbeitet.

Welches sportliche Ereignis ist dir besonders in Erinnerung?

Görgen:  Der erste Pokalsieg des VfL, 1981 gegen Bayer Leverkusen, noch vor meiner Zeit als Funktionär. Das Finale fand vor 1300 Zuschauern in Oldenburg statt. Rita Forst verwandelte eine Sekunde vor dem Abpfiff einen Freiwurf direkt und die Schiedsrichter erkennen das Tor nicht an, sondern lassen wiederholen. Aber auch der zweite Versuch wurde von Forst direkt verwandelt und wir wurden erstmalig Pokalsieger. Da gehen Gefühle in einem los, das kann man sich nicht vorstellen.  

Gab es Spielerinnen, die dich besonders beeindruckt haben?

Görgen: Sabrina Neuendorf, die neben der Handballbundesliga ihr Jurastudium abschloss und promovierte, oder Wiebke Kethorn, die ihr Architekturstudium mit Auszeichnung bestand. Da kann ich nur sagen: Alle Achtung. 

Hättest du dir eine Entwicklung, wie sie der VfL in deiner Zeit genommen hat, träumen lassen?

Görgen: Nun, nachdem ich 1987 zum Abteilungsleiter gewählt wurde, ging es erst einmal bergab. Damals war es reiner Amateurhandball beim VfL zum Nulltarif. Die Quittung war 1993 unser Abstieg in die Perspektivlosigkeit der 2. Bundesliga.

Wie seid ihr nach dem Abstieg vorgegangen?

Görgen: Wir haben uns die Frage gestellt, ob wir es so weiterlaufen lassen oder ob wir etwas ändern wollen. Am Ende der Überlegungen stand dann eine GmbH als Trägergesellschaft. Als Vorbild hat uns da der THW Kiel gedient. Ab 1995 haben wir ganz langsam wieder aufgebaut.

Die zukünftige Vorgabe der Frauenbundesliga nach größeren Hallen wirft ihren Schatten voraus….

Görgen: Wir erfüllen diese Vorgabe bereits. Die Zeit der Schulsporthallen ist vorbei. Wir müssen unseren Sponsoren etwas bieten: Größere Hallen und Fernsehübertragungen. So hart es klingt, wer das nicht erfüllt, ist schnell draussen.

Stellen wir uns vor, es gäbe eine gute Handballfee und du hättest für den Frauenhandball einen Wunsch frei. Was würdest du dir wünschen?

Görgen: Mehr Öffentlichkeit, also Medienpräsenz und Anerkennung für den Frauenhandball. 

Der VfL Oldenburg hat ja eine der großen Handballabteilungen im Bereich des Handball-Verbandes-Niedersachsen (HVN). Was möchtest du dem HVN zum Abschied ins Stammbuch schreiben?

Görgen: Die Strukturreformen des HVN – wie etwa die Abschaffung der Handballkreise waren nötig. Die Regionen sind da besser aufgestellt. Der HVN wird gut geführt und wir sind von ihm auch gut betreut worden.