1990 Die Mauer ist gefallen - Auch Handballdeutschland wird wiedervereinigt

Die friedliche Revolution in der DDR und der anschließende Mauerfall führten auch im deutschen Handball zu einer Wiedervereinigung.

Beim FC Norden freute man sich über das Spiel gegen Meißen. - Foto: Johann Gerdes

Deutsch-Deutsche Begegnungen waren zuvor außerhalb von Großereignissen wie Weltmeisterschaften und Olympia selten. Selbst zum Oldenburger „Wunderhorn Turnier“ kamen in den 80er Jahren zwar Ostblock-Teams aus Bulgarien oder Polen, aus dem östlichen Deutschland traten die Frauen des SC Magdeburg erst 1990 in Oldenburg an.

Eine der raren deutsch-deutschen Begegnungen schildert der langjährige Oberliga-Trainer des FC Norden, Johann Gerdes, in seiner Chronik über die Handballerinnen des FC Norden. Hier ein paar Auszüge aus seinem Bericht:

„Sechs Jahre bemühte ich mich vergeblich um ein Freundschaftsspiel gegen einen Verein aus der DDR. 1985 klappte es endlich. Wir gehörten zu den drei Vereinen, die einen Besuch einer Frauenmannschaft erwarten durften. Wir bekamen die Regionalligamannschaft der Betriebssportgemeinschaft „Blaue Schwerter Meißen“ aus der Nähe von Dresden zugeteilt.

Die Verantwortlichen hatten große Angst, dass Sportler oder Begleiter solche innerdeutschen Treffen zur Flucht in den Westen nutzen könnten. Deshalb holte die Staatssicherheit der DDR drei Spielerinnen aus Meißen bei der Fahrt nach Ostfriesland noch in Magdeburg kurz vor der Grenze aus dem Bus. Familienangehörige dieser Sportlerinnen hatten Westkontakte. Das war der Grund für die kurzfristige Ausreiseverweigerung.

450 Zuschauer in Norden sahen damals einen 23:17 Erfolg von Meißen. Der FC Norden führte schnell mit 6:0. Doch nach einer Standpauke des Meißener Vereinsvorsitzenden Christian Trauth lief es bei den Gästen besser. Wir waren über die Niederlage nicht traurig. Schließlich sollte man unseren Gästen nicht vorwerfen können, die DDR beim Klassenfeind blamiert zu haben.

Die Delegationsleitung aus Meißen sorgte dafür, dass die Telefonrechnung des Hotels in die Höhe schnellte. Die Funktionäre riefen immer wieder bei der ständigen Vertretung der DDR in Bonn an. Sie mussten berichten, ob alles in Ordnung sei und sich auch niemand (von der Mannschaft) abgesetzt habe. Ich regelte die Kostenfrage hinterher mit dem Hotelbesitzer, denn Flatrate-Tarife gab es zu dieser Zeit noch nicht.“

Gerdes berichtet auch noch vom Rückspiel ein Jahr später inklusive Beobachtung durch die Staatssicherheit. Aber bereits mit diesen kurzen Absätzen wird deutlich, dass die Wiedervereinigung für die Beziehungen der Menschen untereinander ein Segen war.