1981 Handball bestraft jetzt progressiv

Auslöser für diese Maßnahme mag auch die schwere Verletzung eines Weltmeisters von 1978 gewesen sein. Der Gummersbacher Joachim Deckarm erlitt 1979 bei einem Europacup-Spiel ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, lag monatelang im Koma und fand anschließend nur mit Hilfe von engagierter Pflege in ein neues Leben – im Rollstuhl – zurück. Auch wenn Deckarms Zusammenprall mit seinem ungarischen Gegenspieler eher ein unglücklicher Unfall war, hatte der Handball plötzlich ein gravierendes Imageproblem.

Kay Holm befürwortet die progressive Bestrafung. - Foto: HVN/Zehrfeld

"Spiele den Ball und nicht den Mann", unter diesem Motto stehen die Schiedsrichter-Lehrgänge der Handball-Verbände Niedersachsen und Bremen bereits ein Jahr später. Hierbei wurden die Unparteiischen angewiesen, mit aller Konsequenz gegen Härte und Brutalität im Handballsport einzuschreiten.

Mit der Einführung eines überarbeiteten Regelwerkes will man 1981 der rasanten Entwicklung des Hallenhandballspiels in Deutschland und international Rechnung tragen. Der Sport ist gegenüber seinen Anfängen wesentlich schneller und athletischer geworden, die Verletzungsgefahr ist gestiegen. Daher schreibt das angepasste Regelwerk nun eine bestimmte – progressive – Bestrafungsfolge vor. 

Kay Holm, ehemaliger Bundesligaschiedsrichter und heute Leiter der Lehre Schiedsrichterwesen beim Deutschen Handballbund, zur progressiven Bestrafung: „Auch mehr als 40 Jahre später hat diese Regeländerung ihre Berechtigung. Ich habe als Schiedsrichter die Möglichkeit, gegenüber Spielerinnen und Spielern Zeichen zu setzen, und klarzumachen, du darfst hier nicht so weiter machen“. Holm schätzt die Möglichkeit der Abstufung, also gesundheitsgefährdendes Verhalten härter, geringere Vergehen leichter zu ahnden. „Auch im Vergleich zu manchen anderen Sportarten sind die Handballregeln damals in die richtige Richtung gegangen.“