1964 – Jahr des Schiedsrichters

Nachwuchssorgen und mangelnde Akzeptanz waren schon in den 60er Jahren für die Unparteiischen keine Fremdworte. Der Deutsche Handballbund (DHB) reagierte und rief das Jahr 1964 zum Jahr des Schiedsrichters aus. Damit soll auf die „prekäre Situation“ der Schiedsrichter, aber auch auf ihre Bedeutung hingewiesen werden. Der damalige HVN-Präsident Alfred Emge forderte unterstützend „durch persönliche Bemühungen in jedem Verein mindestens eine Persönlichkeit – selbstverständlich auch weiblichen Geschlechts – für die Ausbildung als Schiedsrichter zu gewinnen.“

1964 war das Jahr des Schiedsrichter. - Foto: DHB

Um den Werdegang eines Schiedsrichters vor 50 Jahren zu verdeutlichen, haben wir mit Jörg Rast gesprochen. Rast, Jahrgang 1951, absolvierte 1972 seinen ersten Schiedsrichterlehrgang. „Dreimal vier Stunden Regelkunde mitten im Betrieb einer Vereinskneipe, anschließend Regeltest“, schildert er seinen Start als Unparteiischer. „Strukturierte Lehrgänge wie heutzutage waren im Handballkreis und Handballbezirk Hannover in den 70er Jahren noch nicht üblich – auch Schiedsrichterbeobachtungen gab es damals nicht. Mein Partner und ich wurden dennoch nach einiger Zeit vom Handballbezirk dem HVN empfohlen. Unter den HVN-Schiedsrichterwarten Werner Hansen und später Wolfgang Gremmel wurden wir anschließend sehr gut ausgebildet und gefördert.“ 

Seine Schiedsrichterlaufbahn führte Rast über die Oberliga bis in die Regionalliga (heute 3. Liga). Dabei ist ihm auch das ein oder andere lustige Erlebnis in Erinnerung geblieben. „Ich hatte ein Spiel zu leiten, in dem mir ein notorischer Meckerer die Laune verdarb. Ich habe unterbrochen und dem Mann meine Pfeife und die Spielleitung angeboten. Er hat unter dem Gejohle in der Halle dankend abgelehnt.“ Zu Rasts Freude verlief der Rest des Spieles ohne weitere Meckereien.  

Ende der 80er Jahre machte Volker Pellny, heute Schiedsrichterwart im HVN, in seiner Ausbildung ähnliche Erfahrungen. „In den letzten 30 Jahren hat sich jedoch sehr viel getan. Die Ausbildung unserer Schiedsrichter ist bereits auf Regionseben ausführlicher, aber auch praxisorientierter geworden“. Beim Theorieteil – der mittlerweile am heimischen Computer im DHB-Schiedsrichterportal absolviert wird – könne man durch den Wegfall der Anfahrtszeiten zum Lehrgang sogar Zeit sparen. „Wir haben es uns aber zum Ziel gemacht, unsere Schiedsrichter in Theorie und Praxis landesweit auf einen einheitlich guten Kenntnisstand zu bringen.“ 

Wer bereits als Jugendlicher die Ausbildung zum HVN-Juniorschiedsrichter gemacht habe, könne auch im Praxisteil nochmals Zeit einsparen. „Bei der Ausbildung der Juniorschiedsrichter haben wir jedoch in Niedersachsen noch weiße Flecken auf der Landkarte.“ Um den Schiedsrichternachwuchs frühzeitig „einzufangen“, möchte Pellny diese weißen Flecken so bald wie möglich tilgen. „Auf jeden Fall weit vor dem 100. Geburtstag des HVN.“