Landestrainer Hungerecker: „Kompetenzen übereinanderlegen“

Ostern hatte Christian Hungerecker im „Haus des Sports“ in Hannover eingecheckt. Der Schreibtisch ist eingeräumt, erste Netzwerkfäden sind gesponnen. Sonnabend stellte sich der neue Landestrainer des Handball-Verbandes Niedersachsen im „ver.di“-Bildungszentrum Walsrode den stellvertretenden Vorsitzenden Jugend der Gliederungen vor. Dabei forderte er Vereine und Gliederungen zur Zusammenarbeit auf. Thema Leistungsförderung im deutschen Handball. Der Landestrainer: „Wir sind nur ein kleines Rad in einer großen Maschinerie.“

 

HVN-Landestrainer Christian Hungerecker bei der Tagung am Sonnabend in Walsrode.

Mit der Verpflichtung des 39-Jährigen und der von  Christine Witte gegen Ende vergangenen Jahres hatte das Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen die Hauptamtlichkeit der Leistungsförderung neu aufgestellt (hvn-online.com berichtete). Mit neuen Konzepten hielt der neue Landestrainer noch hinter dem sprichwörtlichen Berg. Für ihn persönlich genieße nach drei Wochen Amtszeit die Analyse des Ist-Zustandes Priorität. 

Noch. Hungerecker: „Es ist nicht so, dass Christine und ich keine Ideen austauschen.“ Wohl auf Basis der Ergebnisse der HVN-Erstsichtungen im März dieses Jahres an den Standorten Ganderkesee und Oyten. „Im ersten Resümee waren das super organisierte Veranstaltungen.“ Mit einfließen in neue Konzeptionen müssten aber genauso die Ergebnisse der DHB-Landestrainertagungen; die der weiblichen Jugend vor einer Woche, an der Christian Hungerecker teilgenommen hatte, und die der männlichen Jugend, zu der am Freitag und Sonnabend Christine Witte gereist war.

Anklingen ließ der A-Lizenz-Inhaber am Sonnabend in Walsrode, dass der Deutsche Handballbund die Leistungssportsichtung reformiere. „Das bisherige Konzept war in sechs Jahren gut gereift, soll auf Bundesebene aber jetzt effizienter gestaltet werden. Wir müssen abwarten, was wir daraus für Niedersachsen übernehmen können.“

Der 39-Jährige warf im Schulungsraum eins im Walsroder Bildungszentrum am Sonnabend Grobziele in den Raum. „Wir wollen die Effektivität erhöhen, nicht die Kosten.“ Und mit Blick auf die Sichtung der Handball-Talente: „Der Pferdefuß ist, dass wir nur Momentaufnahmen sichten. Wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir das in einem Flächenland wie Niedersachsen hinbekommen.“ Christian Hungerecker macht kein Geheimnis daraus, dass er die Talentförderung in den Gliederungen mit ins Boot nehmen will. „Wir müssen Kompetenzen übereinanderlegen. Das geht nur mit einer vernünftigen und optimierten Kommunikation.“

Angedacht sei derzeit unter anderem die Installation von zusätzlichen Wettbewerben vor den eigentlichen HVN-Erstsichtungen. Die Auswahlmannschaften der Gliederungen sollen dabei gegeneinander antreten; im männlichen Bereich gegebenenfalls bereits am 3. Oktober. Grundsätzlich wolle man in der männlichen Jugend früher sichten. „Zum Teil kommen uns gerade hier Talente abhanden, bevor wir sie überhaupt sehen.“

Inwieweit Christine Witte und Christian Hungerecker an der Analogie der Talentförderung weiblich und männlich festhalten, scheint offen. Der A-Lizenz-Inhaber mit Blick auf die unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Geschlechter: „Wir müssen uns überlegen, ob die Analogie in Zukunft noch Sinn macht.“

Dass der Graben zwischen am Leistungs- und am Breitensport orientiert arbeitenden Vereinen in Niedersachsen immer größer wird, betrachtet der A-Lizenz-Inhaber mit Sorgen. Dagegen müssten Verband und Gliederungen arbeiten. „Leistung ist ohne eine breite Basis nicht möglich.“ oti