Bundesverdienstkreuz für Wolfgang Gremmel: „Auszeichnung ist verdient"

„Soviel Gutes wird eigentlich nur bei Nachrufen erzählt", scherzte Wolfgang Gremmel. „Ich bin sehr dankbar, dies zu Lebzeiten zu hören." Im Kreis seiner Familie erhielt der frühere Schiedsrichter und langjährige DHB-Vizepräsident in seiner Heimatgemeinde Groß Himstedt das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande ausgehändigt. „Eine besondere Anerkennung für besondere Verdienste", erklärte Landrat Reiner Wegner, der den Orden im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck überreichte.

Landrat Reiner Wegner überreicht das Bundesverdienstkreuz am Bande im Namen von Bundespräsident Joachim Gauck an Wolfgang Gremmel (r.). – Foto: Ciemalla

Wegner gab sich beeindruckt von dem langjährigen ehrenamtlichen Engagement auf unterschiedlichen Ebenen – vor allem im Fachgebiet Finanzen, in dem Wolfgang Gremmel sowohl in der Politik wie auch in der Kirchengemeinde und insbesondere im Sport sein berufliches Wissen als Oberrechnungsrat des Landes Niedersachsen einbrachte und einbringt.

Es war das Jahr 1998, in dem Wolfgang Gremmel als Vizepräsident Finanzen sein Engagement dem Deutschen Handballbund (DHB) zur Verfügung stellte. Er war zuvor bereits Mitglied eines Prüfungsausschusses, der die Gründe des mit der WM der Frauen 1997 entstandene Defizit untersuchen sollte. In der Folge machte er sich gemeinsam mit dem neuen Präsidium an die Aufarbeitung. „Wir konnten die Schlinge lockern und in den folgenden 15 Jahren die finanzielle Situation konsolidieren", erklärte Wolfgang Gremmel, der nach seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur 2013 zum Ehrenmitglied des DHB ernannt wurde.

Im Alter von 50 Jahren hatte sich Gremmel 1998 zu diesem Schritt entschieden, es war aber nicht die erste ehrenamtliche Tätigkeit für ihn. Er engagierte sich früh im Sport und bereits mit 34 Jahren auch im Kirchenvorstand. Bezeichnend war, dass die Überreichung des Bundesverdienstkreuzes im Dorfgemeinschaftshaus von Groß Himstedt im Schatten der Kirche stattfand, für deren Erhalt Wolfgang Gremmel und seine Mitstreiter über die Jahre gut 750 000 Euro organisiert hatten. Ein weiteres Beispiel für die Breite des Engagements ist, dass der Vorschlag für die Verleihung des Ordens nicht aus der Handballszene kam, sondern aus der Lokalpolitik. Denn trotz bundesweiter und internationaler Aufgaben, engagiert sich der der heute 67-Jährige seit Jahrzehnten auch weiterhin in seinem Heimatort, der zur Gemeinde Söhlde im Kreis Hildesheim gehört; beispielsweise als Vorsitzender des SV Groß Himstedt, als Mitglied des Ortsrates und stellvertretender Ortsbürgermeister.

Über die Grenzen der Region hinaus ist Wolfgang Gremmel aber vor allem durch sein Engagement im Handball bekannt. Begonnen hatte er als aktiver Handballer beim SV Groß Himstedt. Er entschied sich für das Schiedsrichterwesen, bildete mit seinem Zwillingsbruder Manfred ein Gespann, das 1980 in den DHB-Kader berufen wurde und ab 1988 auch internationale Spiele übernahm. Das Gespann hatte dabei durchaus Kultcharakter: Über 500 Bundesligaspiele und ebenfalls dreistellige internationale Einsätze sowie Länderspiele und Teilnahmen bei Großereignissen stehen zu Buche. „Wir haben Spiele auf vier Kontinenten geleitet", berichtete Gremmel.

Der Übergang vom Schiedsrichterwesen in das Präsidium des DHB erfolgte1998 fließend, in den Folgejahren kamen zahlreiche weitere Aufgaben hinzu: Dank seiner internationalen Kontakte wurde Wolfgang Gremmel nicht nur Kassenprüfer der EHF, er ist seit 2004 auch Rechnungsprüfer des europäischen Verbands. Im Handball-Verband Niedersachsen ist er Vizepräsident, beim Landessportbund Niedersachsen im Finanzausschuss, hinzu kommen Einsätze als technischer Delegierter in der Bundesliga und international. „Ich habe immer gemacht, was ich gelernt habe: Finanzen und Schiedsrichterei", berichtet Wolfgang Gremmel. Präsident habe er beispielsweise nie werden wollen, er wollte und will sein Fachwissen im Dienst der Sache einbringen.

„Ein vorbildlicher Einsatz“, lobte Landrat Wegner. Dem schloss sich auch Gerald Glöde, Geschäftsführer des Handball-Verbandes Niedersachsen an, der Wolfgang Gremmel im Namen des gesamten niedersächsischen Handballs dankte: „Wir sind sehr froh, einen so engagierten und fachkundigen Mitstreiter im Bereich Finanzen zu haben“, sagte Glöde. „Wolfgang lässt sich nicht verbiegen, er ist geradeaus, hat aber immer auch das nötige Fingerspitzengefühl. Ich persönlich schätze ihn nicht nur aufgrund seiner Fachkenntnis, sondern auch sehr als Mensch. Diese Auszeichnung ist verdient.“

Alexander Huszar, Bürgermeister der Gemeinde Söhlde, hob hervor, dass Wolfgang Gremmel seine Fähigkeiten nicht nur im Spitzen-, sondern auch immer im Breitensport und in der Gemeinde eingebracht habe. Ortsbürgermeister Armin Beckmann fügte an, dass Groß Himstedt durch Wolfgang Gremmel auch international bekannt geworden sei.

Gremmel reichte das Lob weiter: „Mindestens 50 Prozent dieses Ordens gehören meiner Familie und meiner Frau", sagte der Vater dreier Kinder, der eine Anekdote an das Ende seiner Rede stellte: „Meines Opa wegen bin ich in der Schule beliebt", habe die damals siebenjährige Enkelin auf einem mehrtägigen gemeinsamen Familienausflug erklärt. Dies zeige, so Gremmel, dass das Ehrenamt zwar keinen Lohn bringt, sich aber lohne, weil es Gutes bringe. Christian Ciemalla / handball-world.com