Bildungspaket: „Eine Chance für den organisierten Sport“

Nach (bisher) ergebnislosen Verhandlungen über die Hartz-IV-Reform setzten sich Regierung und Opposition eine neue Frist bis zum 19. Januar für die Kompromisssuche. Noch gibt es bei den schwierigsten Knackpunkten aber wenig Bewegung. Ausnahme ist das geplante Bildungspaket für Kinder. „Was sich zunächst nach einem hohen Verwaltungsaufwand anhört, kann durchaus eine Chance für den organisierten Sport sein“, schreibt Reinhard Rawe, Direktor des Landessportbundes Niedersachsen, in einem Brief an die Fachverbände.

Reinhard Rawe.

Dr. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit (BA), unterzeichneten schon Ende November im Beisein der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Dr. Ursula von der Leyen, eine erste gemeinsame Erklärung. Ziel ist es, Kindern einen unbürokratischen Zugang zu Sportvereinen zu ermöglichen.

Dass die Grundsicherung für Arbeitsuchende 2011 einen grundlegenden Wandel erfahren wird, ist unumstritten. Sie wird künftig ergänzt um eine verstärkte Förderung von Kindern und Jugendlichen. Die neuen Leistungen werden voraussichtlich als individuelle Gutscheine ausgegeben, die Kinder und Jugendliche zum Beispiel bei Schulen, Sportvereinen, Kultur- oder Nachhilfeeinrichtungen einreichen können, die mit den Jobcentern Vereinbarungen geschlossen haben.

Das Abkommen zwischen Bundesagentur und Sportbund war das erste im Rahmen des neuen Bildungspaketes und gilt als richtungweisend. Bundesweit arbeiten die Jobcenter derzeit daran, zukünftig ein Angebot für Bildung und Teilhabe für Kinder aus „Hartz IV-Familien“ bereitzuhalten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Dachverband von mehr als 90 000 Sportvereinen in Deutschland will seine Mitglieder ansprechen und motivieren, durch den Abschluss von Vereinbarungen die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche in den Sportvereinen Gutscheine zur Erstattung von Mitgliedsbeiträgen einlösen können.

„Die Ausstellung von Bildungsgutscheinen durch die Jobcenter wird alleine allerdings wenig bewirken“, sagt Reinhard Rawe. „Unverzichtbar für eine gelungene Umsetzung des Bildungspakets wird zum einen sein, die Kinder und Jugendlichen in den Familien, den Schulen und den verschiedenen Betreuungseinrichtungen zu erreichen.“ Zum anderen müssten die zuständigen Jobcenter Kenntnis über geeignete Angebote zur sozialen und kulturellen Teilhabe haben. „Hier sind auch die Sportbünde und Sportvereine gefragt, auf die örtlichen Jobcenter zuzugehen.“

Das zu erwartende Bildungspaket im Zuge der Hartz-IV-Reform könne laut Rawe den Sportvereinen Möglichkeiten eröffnen, neue Mitglieder im Kinder- und Jugendbereich zu
gewinnen. Der Sportdirektor in einem Schreiben an die im LSB organisierten Fachverbände: „Ziel unseres gemeinnützigen Handels sollte es immer sein, allen Mitgliedern unserer Gesellschaft den Zugang zum gemeinsamen Sporttreiben zu ermöglichen.“ oti

Hier geht es zur gemeinsamen Erklärung von DOSB und Bundesagentur für Arbeit.