1990-96

1990

Auf dem Verbandstag am 9. Juni 1990 in Haselünne kann Herbert Bock nach der Wiedervereinigung Deutschlands eine Delegation des BFA Magdeburg mit dem Vorsitzenden Eberhard Gläser begrüßen. Die Wahlen bringen nur wenige Veränderungen: Zum stellvertretenden Vorsitzenden wird Holger Peters, zum Schiedsrichterwart Wolfgang Gremmel und zum Referenten für Breiten/Freizeitsport Wolfgang Franz gewählt. Der mit Spannung erwartete Antrag des Bezirks Lüneburg, den Vertrag mit Bremen zu kündigen, mündet in dem Kompromiß, erneut über die finanzielle Abwicklung zu verhandeln. Gleichzeitig wird der Erweiterte Vorstand ermächtigt, bei einem Scheitern der Verhandlungen den Vertrag zu kündigen. Alle vorliegenden Anträge werden, dank der guten Vorbereitung in den Gremien, innerhalb kürzester Zeit beschlossen.
In der Satzung wird das Ressort "Breiten- und Freizeitsport" aufgenommen, um dem geänderten Freizeitverhalten der Bürger Rechnung zu tragen. Für die systematische Ausdehnung des Breitensports gilt es geeignete Konzepte zu entwickeln, auszuprobieren und in den Kreisen und Vereine zu verbreiten.
In "Handball in Niedersachsen" wird eine Minihandball-Spielordnung veröffentlicht. Zielsetzung dieses altersmäßigen Wettkampfsystems ist die Heranführung der Kinder an das Handballspiel. Nicht das Spielergebnis sondern das Spielerlebnis steht im Vordergrund, es soll miteinander gespielt werden und die Kinder sollen vielfältige Bewegungserfahrungen sammeln.
An der Gründung des Landesverbandes Sachsen-Anhalt nehmen auch Vertreter des Norddeutschen Handball-Verbandes und des Handball-Verbandes Niedersachsen sowie des Bezirks Braunschweig teil. Sie bieten ihre Hilfe und Unterstützung an.

1991

"Mädchen und Jungen - gemeinsam zum Handhall" lautet 1991 das Motto zum "Tag der Handballjugend". Die "Tage der Handballjugend" sind nach wie vor beliebt. Neben den Handballspielen gibt es Wettbewerbe in Tunnelkriechen, Torwandwerfen, Negerkußwurfmaschine und Handballslalom, um nur einige der Aktivitäten zu nennen. Weit über 1.000 aktive Teilnehmer nehmen an den dezentralen Veranstaltungen teil.
Im Nachwuchsbereich werden die eingeführten und erfolgreich verlaufenen "4+1"-Maßnahmen fortgesetzt. In Zusammenarbeit mit den Schulsportreferenten werden zahlreiche Lehrerfortbildungen mit Grundschullehrern durchgeführt. Eine zentrale Veranstaltung des HVN findet in den Sommerferien in Northeim statt. Wesentliches Merkmal der Spielidee ist es, den Spielen den sonst üblichen Meisterschaftscharakter zu nehmen. Es wird daher auch kein Gesamtsieger ermittelt. Allein das 24-stündige Gruppenerlebnis ist für viele Kinder sicherlich schon eine spannende Sache.
Aber auch der Nachaktivzeit gilt die Aufmerksamkeit des HVN, um Frauen und Männer am Ende der Wettkampfzeit neu zu aktivieren und für die Arbeit im Verein zu gewinnen. Erfahrungen mit Freizeitangeboten und Turnieren auf verkleinertem Feld sollen gesammelt werden, um schließlich Oldie-Turniere zu starten. Der HVN entdeckt die Gruppe der 30- bis 50jährigen und geht in die Offensive.
Viele Strukturfragen, die aus der Historie entstanden sind, erweisen sich als ungeklärt und veranlassen den HVN, diese aufzuarbeiten. Dabei wird Wert darauf gelegt, daß sowohl das Ehrenamt als auch das Hauptamt gleichermaßen beteiligt wird.
Der HVN führt Schiedsrichter-Beobachtungen durch die Vereine ein. Die Vereine erhalten Gelegenheit, anhand eines vorgegebenen Beobachtungsbogens Schiedsrichter zu beurteilen. Der Beobachtungsbogen wurde vom Schiedsrichterwart und seinen Mitarbeitern erstellt. Die für das Schiedsrichterwesen im HVN Verantwortlichen erwarten aussagekräftige Ergebnisse und dadurch eine noch breitere Grundlage für die Einstufung der Gespanne in den einzelnen Kadern zu erhalten.

1993

Der HVN startet 1993 erstmalig einen Fair-play-Wettbewerb in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Sparkassen- und Giroverband für Jugendmannschaften. Er wird auf die 48 stärksten A-Jugendmannschaften der Oberligen Niedersachsen und Nordsee beschränkt. Sie sollen beweisen, daß sich sportliche Leistungen und Erfolge mit Fair play nicht ausschließen.
Der HVN beginnt ein Modellprojekt. In der Sportschule des Landessportbundes Niedersachsen findet eine Handball-Trainerinnenausbildung zur Erlangung der C-Lizenz statt. Das Besondere: Für den Frauenkurs wird Kinderbetreuung angeboten.
Die Talentsicherung und Leistungsförderung im HVN am Beispiel des Jahrganges 1981 sieht mehr als 10 Maßnahmen vor, die sich bis in das Jahr 1998 hinziehen. Es beginnt mit Sichtungslehrgängen und kann in die Einordnung in einen Kader münden.
Der HVN erhält Unterstützung durch einen kompetenten Partner: Er geht eine Partnerschaft mit der TOTO/LOTTO-Gesellschaft Niedersachsen ein. Die finanzielle Förderung soll in erster Linie im Schiedsrichterbereich eingesetzt werden. Mit den Mitteln wird die Aus und Weiterbildung der Schiedsrichter gefördert. Zusätzlich werden sämtliche Kader-Schiedsrichter mit Trikotagen und Stutzen ausgestattet, wobei das Trikot die Aufschrift TOTO/LOTTO trägt.
Unter dem Motto "Sportler helfen Sportlern" wird 15 Handballerinnen aus dem kriegsgeschüttelten Mostar, die sich in Niedersachsen aufhalten, ein mehrwöchiger Aufenthalt auf Kosten der Vereine und des Landessportbundes ermöglicht. Da es sich um Spitzensportlerinnen handelt, zeigen auch die Vereine Interesse. Die jungen Frauen fühlen sich als Gäste, die eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen.
Erstmals erscheint in "Handball in Niedersachsen" eine vierseitige Praxisbeilage. Sie bietet Hilfen, Tips und Vorschläge für die praktische Arbeit der Übungsleiter und Trainer.
Gute Jugendarbeit wird zur Existenzfrage der Handball-Abteilungen. Verantwortlich dafür ist die demographische Entwicklung. Die Kinder/Schülerzahl hat 1992 gegenüber 1976 bereits um 56% abgenommen. Die Zahl der Jugendlichen wird von 1983 bis zum Jahr 2000 um bis zu 50% abnehmen. Die Vereine müssen sich darauf einstellen.

1994

In Braunschweig führt der HVN ein Sichtungsturnier durch. Es erhält Modellcharakter. An zwei Tagen geben sich die Handballtalente Niedersachsens ein Stelldichein. Erstmals wird bei diesem Aufeinandertreffen von Auswahlmannschaften der vier Bezirke der Sichtungscharakter in den Vordergrund gestellt, denn es wird kein Turniersieger ermittelt.
Der Deutsche Handball-Bund hat das Jahr 1994 zum Jahr des Frauenhandballs erklärt. Mit der Ausrichtung der ersten Handball-Europameisterschaft für Frauen-Nationalmannschaften erhofft sich der DHB einen deutlichen Imagegewinn und eine weitere Popularisierung für den Frauenhandball in Deutschland. Auch für den HVN heißt es: Mehr Frauen in Ehrenämtern, mehr Frauen als Trainerin.
60 Teilnehmer beteiligen sich am 1. HVN-Jugendsymposium 1994 in Hannover-Wilkenburg. Zentrale Themenbereiche sind Mini-Handball, Verein und Schule, zeitgemäße Wettkampfsysteme, Mitbestimmung Jugendlicher, Mitarbeitergewinnung und modernes Jugendhandballtraining. "Dem Handballsport geht es dabei wie anderen Mannschaftssportarten auch: er muß um seine Klientel verstärkt werben. Eine stärkere breitensportliche Öffnung des organisierten Handballs möge hierfür Lösungsansätze bieten", führte der Sportreferent Prof. Dr. Jürgen Schröder, Uni Göttingen, aus.
46 Mannschaften nehmen an dem Fair-play-Wettbewerb des HVN, der im Rahmen der Punktspiele der Jugend-Oberliga Nordsee und Niedersachsen ausgetragen wird, teil. Sieger sind die Mannschaften von Frisia Goldenstedt und TSV Wietzendorf.
124 Mannschaften mit über 1.300 Teilnehmern kommen zum 31. Tag der Handballjugend des Kreises Verden. Es ist die größte Veranstaltung dieser Art in Niedersachsen. Ausrichter ist die SG Achim/Baden. Auf 13 Spielfeldern treten Mannschaften der F-Jugend bis zur A-Jugend an. Punkte zählen hierbei nicht - der Spaß steht im Vordergrund und alle Teams erhalten am Ende eine Auszeichnung. Das ist auch die Devise für das Rahmenprogramm.
Der Verbandstag am 11. Juni 1994 in Hodenhagen ist wieder ein Meilenstein in der Geschichte des HVN. Nach 16jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender des HVN stellt sich Herbert Bock nicht wieder zur Wahl. Er wird zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Otto Sturm wird mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Der Verbandstag befaßt sich mit grundlegenden Strukturfragen. Das Verbandspräsidium, bisher Vorstand, soll sich künftig nach dem Modell "5+1" zusammensetzen. Danach werden zukünftig 1 Präsident und 5 Vizepräsidenten die Geschicke des Verbandes leiten, wobei die Vizepräsidenten nunmehr klare Ressortaufgaben wahrnehmen. Das Ressort "Entwicklung des Handballs" soll vor allen Dingen zukunftsweisend und konzeptionell arbeiten. Folgerichtig erfolgt auch dort eine Bündelung der in den vergangenen zwei Jahren verstärkt ins Blickfeld gerückten Themen wie Neukonzeption der Trainer Aus- und -Fortbildung, Schule und Handball, Frauen im Sport, Breitensport mit Mini- und Oldie-Handball. Dementsprechend setzt sich auch der Ausschuß zusammen.
Ein beachtlicher Schritt bedeutet die neue Position einer Frauenbeauftragten. Damit wird dem Frauenförderungsplan Rechnung getragen.
Dieter Lindenberg, Drebber, wird neuer Präsident des HVN. Auch sonst gibt es erhebliche Veränderungen. Durch die Strukturreform werden einige Ressorts aufgewertet und mit Vizepräsidenten besetzt. Das Präsidium hat folgende Zusammensetzung:

  • Präsident: Dieter Lindenberg, Drebber
  • Vize-Spieltechnik: Rudi Kahle, Celle
  • Vize-Finanzen: Hartmut Begemann, Aerzen
  • Vize-Entwicklung: Helmut Schütte, Salzgitter
  • Vize-Jugend: Suse Carls, Soltau
  • Vize-Offentlichkeitsarbeit: Willi Post, Bramsche
  • Männerspielwart: Helmuth Wöbke, Faßberg
  • Frauenspielwart: Loni Winkler, Cremlingen
  • Jugendspielwart: Hayo Andoleit, Wilhelmshaven
  • Schiedsrichterwart: Herbert Becker, Celle
  • Lehrwart: Dieter Hummes, Braunschweig
  • Breitensport-Referent: N. N.
  • Schulsport-Referent: Rolf Versen, Melle
  • Frauenbeauftragte: Sandra Sandomeer, Hannover
  • Mädelwart: Siegfried v. d, Berge, Vechta
  • Beisitzer: Achim Haupt, Northeim
  • Beisitzer: Dieter Hummes, Braunschweig
  • Jugendsprecher: Arndt Morawe, Hameln
  • Jugendsprecherin: Berit Eisenberger, Edemissen
  • Rechtswart: Kurt Klauke, Oldenburg
  • Verbandssportgericht: Wolfgang Kirchberg, Goslar

Ausgeschieden sind Uwe Sternberg (Männerspielwart), Peter Raab (Frauenspielwart), Otto Sturm (Kassenwart), Wolfgang Gremmel (Schiedsrichterwart), Hans-Peter Oppermann (Lehrwart).
Den Festvortrag hält Dr. Gunter A. Pilz, Hannover über "Fairneß im Handball", der ein Umdenken sowohl bei den Aktiven als auch bei den Eltern und Übungsleitern forderte. Der nächste Verbandstag findet in drei Jahren im Jubiläumsjahr am Gründungsort in Melle statt.
Im Rahmen der German-Masters-Serie des DHB wird in Braunschweig ein Großfeld-Handballturnier für Oldies durchgeführt.
Die Vorrunde der Handball-Europameisterschaft der Frauen findet in Oldenburg statt. In der Weser-Ems-Halle stehen sich die Mannschaften von Rußland, Rumänien, Slowakei, Ungarn, Tschechien und Deutschland gegenüber.

1995

Der Handball-Verband Niedersachsen hat ein neues Logo. Die Grundfarbe des Logos ist Blau, der Ball, eine der schwungvollen Ball-Linien und der unten angebrachte Kopf des Niedersachsenrosses sind rot. Der Fair-play-Cup-Wettbewerb des HVN und der Niedersächsischen Sparkassen findet riesige Resonanz. Mehr als 350 Jugendmannschaften beteiligen sich daran.
Rund 70 Handball-Trainerinnen haben in den vergangenen drei Jahren ihre Lizenz erhalten.
Der HVN ist mit einer Mailbox im internationalen Datennetz vertreten. Zunächst ist eine Testphase vorgesehen. Es soll festgestellt werden, inwieweit sich diese Form der Informationsverbreitung und des Informationsaustausches im Handballbereich einsetzen läßt.
Zur Erarbeitung neuer Wege im bisherigen Wettkampfsystem wird ein Arbeitskreis gebildet, der geeignete Vorschläge unterbreiten soll.

1996

"Frauenhandball ist in" - bei den Fans und im Handball-Verband Niedersachsen. Der VfL Oldenburg wurde souveräner Aufsteiger in die 1. Bundesliga. Als Regionalliga-Aufsteiger gehört der SV Wacker Osterwald zum hannoverschen Trio neben der SG Misburg und SC Germania List in der 2. Bundesliga Nord.
Der frühere Lehrwart des HVN, Hans-Peter Oppermann, gehört weiterhin dem Präsidium des DHB an. Auf dem DHB-Bundestag in Erfurt wird er wieder zum Vizepräsidenten Entwicklung gewählt. Männerwart wird Uwe Sternberg aus Niedersachsen.
Mit Beach-Handball wird eine weitere Variante des Handballs angeboten. Mit dieser breiten- und freizeitorientierten Sportart ist das Spiel im Freien eine Ergänzung zum Wettkampfhandball in der Halle. Es entstehen immer mehr Sportanlagen im Binnenland. Die Meisterschaften werden an den Stränden der Nord- und Ostsee ausgetragen.
Beach-Handball hat die Chance zu einer "Fit for fun"-Sportart zu werden.
Bei den Olympischen Spielen in Atlanta (USA) blieben die Ballsportarten ohne Medaillen. Wie Basketball, Fußball und Volleyball offenbarte sich auch für Handball eine Krise im Weltmaßstab. Auch für die Weltmeisterschaften 1997 konnten sich die Männer nicht qualifizieren.
Dagegen stellt die Bundesliga eine Weltliga dar. Es gibt kaum noch eine Bundesligamannschaft, in der nicht ausländische Stars spielen oder als Coach tätig sind. Von den 16 Erstliga-Trainern kommen nur noch sechs aus Deutschland. Handball, wohin läufst du?
Der Handball-Verband Niedersachsen kann seine führende Position im Deutschen Handball-Bund festigen. Mit 2.822 Jugendmannschaften liegt der HVN unangefochten an der Spitze aller 22 Landesverbände. Dies ist der intensiven Arbeit der Vereine zu verdanken.

 

 


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