1950-59

1950

Am 1. März bezieht der HVN seine erste Geschäftsstelle in dem am 15. Dezember 1949 eingeweihten "Haus des Sports" in Hannover in der Maschstraße. Erste Angestellte wird Edith Blanke.
Melle ist wieder einmal der Veranstaltungsort für den Verbandstag am 24./25. Juni 1950. Die Wahlen bringen einige Veränderungen: Alfred Emge, Braunschweig, wird 2. Vorsitzender für Günter Dalibor, Max Ackermann, Burgwedel, Schiedsrichterobmann für Heinz Muhle. Willi Staake, Braunschweig, der bereits kommissarisch das Amt des Jugendwarts für Ludwig Landgraf übernommen hatte, wird in der Position bestätigt. Neuer Rechtswart wird Karl Schmidt, Hannover. Der Verbandstag stiftet eine Ehrennadel für verdienstvolle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Der Deutsche Handball-Bund wird in die lnternationale Handball-Föderation aufgenommen. Damit sind die Voraussetzungen für den internationalen Sportverkehr geschaffen.
Die Bildung eines Norddeutschen Handball-Verbandes scheitert aus finanziellen Gründen. Verhandlungen mit dem Bremer Handball-Verband über eine gemeinsame Oberliga bringen keinen Erfolg, weil Bremen auf eine paritätische Zusammensetzung besteht. Die Norddeutsche Oberliga wird aufgelöst. Die Reduzierung der Niedersachsenliga von sieben auf zwei Staffeln hat sich bewährt und die Spielkultur gehoben. Allerdings bedeuten sie für die Vereine auch eine große finanzielle Belastung.
Die ersten Niedersachsenmeisterschaften für die männliche Jugend wird 1950 ausgetragen: Der Niedersachsenmeister heißt MTV Aurich, 1953 folgt die weibliche Jugend. Titelträger wird der MTV Lüneburg. Erster Landesmeister im Hallenhandball wird die Herrenmannschaft von "Germania" Wilhelmshaven. Die Mannschaft tritt fast in der gleichen Besetzung an, mit der sie 1948 erster Niedersachsenmeister im Feldhandball wurde.
Am 10. Dezember wird im Hodlersaal des Rathauses zu Hannover der Deutsche Sportbund der drei westlichen Besatzungszonen gegründet. Erster Präsident wird Willi Daume, der Handball-Präsident. Das Haus des deutschen Sports ist damit vollendet.

1951

Niedersachsenmeister in der Halle wird "Germania" Wilhelmshaven, der in der Norddeutschen Meisterschaft den dritten Rang belegt.
Der Verbandstag am 23./24. Juni 1951 in Cuxhaven bringt entscheidende strukturelle und personelle Veränderungen. Alfred Emge übernimmt die Aufgaben des Verbandsspielwartes und der Paßstelle zunächst zusätzlich. Seine Aufgaben als 2. Vorsitzender übernimmt Ernst Hotho. Auch der verdienstvolle Lehrwart Fritz Fromm stellt sich nicht wieder zur Wahl. Sein Nachfolger wird Willi Hömke, Lüneburg. Eine Satzungsänderung unterscheidet jetzt in geschäftsführenden und erweiterten Vorstand. Es werden gewählt:

    Geschäftsführender Vorstand:
  • Fachwart: Karl Helmerding, Hannover
  • Stellv. Fachwart: Ernst Hotho, Melle
  • Schriftwart: Albert Grünert, Lehrte
  • Kassenwart: Alfred Sempf, Peine
  • Spielwart: Alfred Emge, Braunschweig
  • Pressewart: Erwin Bergheim, Wilhelmshaven
    Erweiterter Vorstand:
  • Spielwart: Alfred Emge, Braunschweig
  • Schiri-Obmann: Max Ackermann, Großburgwedel
  • Jugendwart: Willi Staake, Braunschweig
  • Frauenwart: Werner Schach, Lagershausen
  • Lehrwart: Willy Hömke, Lüneburg
  • Rechtswart: Karl Schmidt, Hannover-Langenhagen

Die Verhandlungen mit Bremen wegen einer gemeinsamen Oberliga gestalten sich schwierig. Es wird eine Niedersächsische Oberliga gebildet, als Unterbau eine Landesliga, die in drei Staffeln spielt.

    Staffelleiter sind:
  • West: Friedel Budke, Osnabrück
  • Mitte: Hugo Nekat, Wittingen
  • Ost: Helmut Schimmeyer, Braunschweig

Der Verband führt nunmehr den Namen HANDBALL-VERBAND NIEDERSACHSEN.
Auch das hat es schon einmal gegeben: Alle Spieler werden zu einem Handball-Vierkampf aufgerufen, bestehend aus 100-m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen und Handballweitwurf. Die Ergebnisse werden nach Punkten bewertet. Alle Mehrkämpfe werden als Einzel- und Mannschaftswettbewerbe ausgetragen, wobei jede Mannschaft aus sechs Teilnehmern besteht, von denen fünf gewertet werden. Die Durchführung liegt in den Händen des Kreisfachverbandes Leichtathletik.

1952

Der Verbandstag am 21./22. Juni 1952 in Northeim bringt wieder eine größere "Wachablösung" und neue Mitarbeiter, die über lange Zeit dem Vorstand angehören sollten. Spielwart wird Hugo Nekat für Alfred Emge, Schiedsrichterobmann Gustav Gritzan für Max Ackermann und Jugendwart Karlheinz Schwedes für Willi Staake. Zum Schriftwart wird Heinz-Werner Elsner, Melle, gewählt. Der Verbandstag beschließt eine neue Spielklasseneinteilung. Der beschlossene Neuaufbau reduziert die Leistungsstufen von vier auf drei. Damit wird nicht nur der finanziellen Lage der Vereine und des Verbandes Rechnung getragen, sondern auch eine breitere Spielbasis gebildet als bisher. Die Landesliga wird aus den 12 besten Mannschaften der vier Bezirke Hannover, Braunschweig, Hildesheim und Lüneburg gebildet. Alle bisherigen Landesligavereine werden in der Spielzeit 1952/53 in der Bezirksliga spielen.
Eine Ehrengerichtsordnung sieht einen Ehrenrat vor, in dem alle Bezirke vertreten sind.

1953

In seinem Neujahrsgruß ruft Karl Helmerding alle auf: "Als oberstes Ziel soll uns alle eine Kameradschaft und Freundschaft verbinden, welche als Unterpfand aller ersprießlichen Arbeit unentbehrlich ist."
Die wesentliche Neuerung des Handballspiels ist die Dreiteilung des Spielfeldes. Durch die Dreiteilung des Spielfeldes und der neuen Regel "Mannschaft außer Spiel" (Eine Mannschaft ist außer Spiel, wenn sich mehr als sechs Spieler einer Mannschaft in dem eigenen oder gegnerischen Torraumdrittel befinden; ein Verstoß ist mit einem Freiwurf zu bestrafen) soll dem unliebsamen "Betonsystem" Einhalt geboten werden. Das "Betonsystem" hat in den letzten Jahren dem Handballspiel arge Verluste zugefügt - nicht nur den Zuschauern, auch den Mannschaften.
Die Landesverbände aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gründen den Norddeutschen Handballverband (NHV).
Für den verstorbenen Verbands-Geschäftsführer Hermann Gribnitz wird Eitel Chuchra tätig.
Das Pfingstjugendlager des HVN wird in Steinhude durchgeführt. Die acht Bezirksmeister ermitteln den Niedersachsenmeister in Turnierform. Die Sieger der beiden Staffeln bestreiten das Endspiel um die Niedersachsenmeisterschaft am 7. Juni in Oldenburg. In Steinhude hatte jede Mannschaft einen Einblick in ihre Jugendarbeit zu geben (Volkslied, Laienspiel, Scharade und ähnliches).
Spielwart Hugo Nekat übernimmt mit Männer- und Frauenauswahlmannschaften eine Auslandsfahrt zu Begegnungen in Nordholland. Es ist der Beginn einer regionalen Partnerschaft.
Der Verbandstag am 6./7. Juni 1953 in Oldenburg bringt nur eine Veränderung in der Besetzung des Vorstandes. Neuer Schriftwart wird Karlheinz Claus, Hannover, der bereits kommissarisch tätig war, als Nachfolger von Heinz Elzner. Neu im Vorstand ist eine Mädelreferentin, die mit Liesel Schacht, Lagershausen, besetzt wird. Die Paßstelle übernimmt Hermann Reimann. Der Verbandstag beschließt, daß die Zeitschrift des Landessportbundes Niedersachsen künftig das amtliche Mitteilungsblatt für den Handball ist. Eine umfangreiche Rechts- und Verfahrensordnung und eine Finanzordnung des HVN werden darin veröffentlicht.
HVN-Vorsitzender Karl Helmerding weist auf die Wichtigkeit des Handballspiels in den Schulen hin und kündigt Lehrgänge für Lehrer an. Die Kontaktaufnahme muß von den Kreisfachwarten hergestellt werden. Handball ist als Schulspiel bestens geeignet.

1954

Goslar ist Ort des Verbandstages am 19./20. Juni 1954. Kein Verbandstag ohne Veränderungen in der Besetzung des Vorstandes. Im Technischen Ausschuß tritt an die Stelle des Frauenwartes Werner Schacht Alfred Spühr, Osnabrück, und als Mädelreferentin Ilona Hosang, Hannover, für Liesel Schacht. Zum Lehrwart wird Kurt Böcker, Hannover gewählt.
1954 wird erstmals der "Tag der Handballjugend" proklamiert, der jährlich wiederholt wird. Neben dem Handballspiel sind auch Leichtathletik, ein Dreikampf (100-m-Lauf, Weitsprung, Handballweitwurf) und allgemeine Jugendarbeit gefragt. Veranstalter dieser Jugendsportfeste sind die Kreise. Das Ziel ist, die gesamte Handballjugend auf Kreisebene zusammenzuführen.

1955

Der Verbandstag am 19./20. Juni 1955 in Barsinghausen erhält seine besondere Note durch das Ausscheiden seines bisherigen 1. Vorsitzenden Karl Helmerding. Bei der Wahl erhält Karl Helmerding mehr Nein-Stimmen und Stimmenthaltungen als Ja-Stimmen. Der bisherige Vorsitzende sieht darin nur einen schwachen Vertrauensbeweis und nimmt die Wahl nicht an. Mehrere Kandidaten werden vorgeschlagen. Letztlich wird Alfred Emge, Braunschweig, gewählt. Karl Helmerding wird mit der goldenen Ehrennadel des HVN verabschiedet und zum Ehrenpräsidenten gewählt. Auch auf einigen anderen Vorstandsposten gibt es entscheidende Veränderungen. Für Karlheinz Claus wird Hermann Reimann zum Verbandsschriftwart, für Alfred Spühr Karl Klemme zum Verbandsfrauenwart und für Erwin Bergheim als Pressewart Hermann Klemme gewählt. Sie alle sollten für längere Zeit ihre Positionen bekleiden.
Aus dem Bericht der Verbands-Paßstelle geht hervor, daß die "Wanderlust", also der Vereinswechsel von Spielern, von Jahr zu Jahr steigt. Im Deutschen Handball-Bund tritt ebenfalls ein Wechsel ein. Der erste Präsident, Willi Daume, stellt sich wegen anderweitiger Belastungen nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger wird der bisherige Spielwart Ernst Feick. Neuer Lehrwart für Fritz Fromm wird der Rekordnationalspieler Werner Vick aus Neetze bei Lüneburg.
Am 1. August tritt wieder eine neue Spielregel in Kraft. Tausende von Handballmannschaften aller Klassen und Jahrgänge spielen nach den neuen Regeln: Der Wurfkreis wird von 11 auf 14 Meter erweitert und der Umfang des Balles vergrößert. Dadurch soll der Torwurf erschwert werden.

1956

Am 29. April ist das Niedersachsenstadion in Hannover der Austragungsort eines Länderspiels gegen Portugal. Die niedersächsische Handballgemeinde erhält dadurch Gelegenheit, die internationale Spitze kennenzulernen.
Walter Kreienmeyer wird auf dem Verbandstag am 23./24. Juni 1956 in Lüneburg zum Verbandslehrwart gewählt. Er bleibt es bis 1978.
Die schon Tradition gewordenen Begegnungen zwischen den Auswahlmannschaften von Niedersachsen und Nordholland finden 1956 in Schüttorf in der Grafschaft Bentheim an der holländischen Grenze statt. Es ist die vierte Begegnung seit Gründung des HVN. Die Holländerinnen siegen zum ersten Mal über die Niedersachsen-Frauen, während die Männer einen haushohen Sieg landen.

1957

Im Frühjahr kommt es im Niedersachsenstadion in Hannover zu einem Spiel des Deutschen Handball-Bundes gegen die Sektion Handball der Ostzone vor über 52 000 Zuschauern. Im Tor steht Rolf Hermann aus Katlenburg. Es geht um die Qualifikation für eine gemeinsame deutsche Mannschaft.
Immer mehr wird der Niedersachsen-Meister VfL Wolfsburg zur spielbeherrschenden Mannschaft der Herren. Im Kampf um die Norddeutsche Handballmeisterschaft müssen sich die Wolfsburger allerdings mit einem 8:9 gegen den THW Kiel geschlagen geben.
Auf dem Verbandstag am 22./23. Juni 1957 in Melle wird Karl Wojtkowiak, Braunschweig, als Rechtswart für Karl Schmidt gewählt. Die Mädelreferentin Ilona Hosang kandidiert nicht wieder für den Jugendausschuß. An ihre Stelle tritt Annemarie Laue, Braunschweig. Der Verbandstag beschließt eine Umstellung des Spieljahres auf das Kalenderjahr. Die Paßstelle übernimmt Wolfgang Hüsken von Hermann Reimann.
Der Landessportbund Niedersachsen hat ein Aktionsprogramm "Ausbreitung des Sports" beschlossen und fördert die Neugründung von Vereinen und Abteilungen. Zweck ist es, die "weißen Flecken" auf der Landkarte des Sports in Niedersachsen zu tilgen und die Entfernungen beim Spielbetrieb zu verkürzen. Im ersten Jahr verzeichnet der Handballverband bereits die Neugründung von 36 Abteilungen oder Vereinen

1958

Harmonisch verläuft der Verbandstag am 21./22. Juni 1958 in Bad Nenndorf. Im Vorstand gibt es zwei Veränderungen. Anstelle des gesundheitlich angeschlagenen Verbandsfrauenwartes Karl Klemme tritt Max Franke, Braunschweig, als Mädelwartin wird Maria Voßberg, Osnabrück, gewählt.
Auf einem außerordentlichen Verbandstag am 22. November 1958 in Wolfsburg wird kontrovers über eine regionale Liga diskutiert. Der überwiegende Teil der Delegierten spricht sich für eine Norddeutsche Oberliga mit Bremen aus, wobei fünf Mannschaften aus Niedersachsen und drei aus Bremen kommen sollen.
Auch über die Einführung des Hallenhandballs auf breiter Basis gibt es unterschiedliche Meinungen. Es bestehen Bedenken, weil immer noch nicht ausreichend Hallen vorhanden sind. Ein Vorschlag des Verbandsspielwartes, 1959 eine Niedersachsen-Hallenmeisterschaft durchzuführen, wird gutgeheißen.
Nach Abgang der Mannschaften VfL Wolfsburg, Blau-Weiß Katlenburg und Rot-Weiß Braunschweig aus der höchsten Spielklasse des Landes und dem Abstieg der Mannschaften am Schluß der Tabelle, wird die Staffel mit den vier Bezirksmeistern auf neun Vereine auf gefüllt. Die Landesliga Niedersachsen besteht aus den Vereinen PSV Hildesheim, Eintracht Braunschweig, TuS Davenstedt, Lehndorfer TSV, TV Wietzendorf, PSV Hann.-Münden, MTV Leinhausen, MTV Lüneburg und TSV Rüningen.
VfL Wolfsburg wird bei den Herren Meister in Niedersachsen und Norddeutschland und verliert das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft knapp mit 9:10 Toren. Die Aufwärtsentwicklung der Wolfsburger ist unverkennbar.

1959

Auf dem Verbandstag am 20./21. Juni 1959 in Bad Helmstedt nimmt die Besprechung über eine neue Hallenspielordnung einen breiten Raum ein. Es liegen aber so viele Vorschläge vor, so daß es nicht zu einem Abschluß kommt. Ein kleines Gremium soll sich weiter damit beschäftigen.
Bei den Wahlen löst Karlheiz Schwedes den langjährigen Spielwart Hugo Nekat ab. Sein Nachfolger als Jugendleiter wird Günter Petershagen; Mädelwartin wird Marianne Ihde. Auf den Frauenwart Max Franke folgt Ludwig Glitz.
Der Verbandstag erteilt den Auftrag, nach der Hallenstaffel auch eine Feldstaffel für den Nordraum zu schaffen. Es ist der Beginn der Niedersachsenliga Nord.
In Hannover stehen sich die Nationalmannschaften von Deutschland und Polen im Feldhandball gegenüber.
Im norddeutschen Raum ist das wichtigste Ereignis die Bildung einer Oberliga. Sie spielt in zwei Staffeln: Bremen/Niedersachsen und Hamburg/Schleswig-Holstein. Meister von Bremen/Niedersachsen wird der VfL Wolfsburg. Außerdem gehören der Staffel noch Rot-Weiß Braunschweig und der TSV Katlenburg an. Absteiger ist die TSG Burg-Gretesch.

 

 


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