Geschichte

1945

Am Anfang steht die Resignation, und nur wenige finden den Weg zum Sport, um diesen als Ausgleich für den Alltag zu betreiben. Im Frühjahr 1945 besetzen alliierte Truppen Niedersachsen. Die Regierungsgewalt geht auf die Dienststellen der Militärregierung über.
Die Situation der Bevölkerung ist gekennzeichnet durch Hunger, Wohnungsnot, Vertreibung, Trauer um Gefallene, Vermißte, Kriegsversehrte und die noch in der Kriegsgefangenschaft befindlichen Angehörigen. Die in der Heimat Verbliebenen und die Zurückkehrenden finden sich bald wieder in ihrem Sportverein zusammen. Es werden Informationen über das Schicksal von Vereinsmitgliedern ausgetauscht. Aus dem Osten vertriebene oder geflüchtete Sportler schließen sich den Vereinen an. Der Sport beweist einmal mehr seine große Integrationskraft.

Bei allen Widrigkeiten wird auch schon wieder Handball gespielt, wenn auch "wild". Die Sportkleidung ist bunt zusammengewürfelt. Jüngere Jahrgänge müssen bei den Erwachsenen aushelfen. Einem geordneten Spielbetrieb stehen aber noch große Schwierigkeiten entgegen. Die Sportorganisation, wie sie bis 1945 bestanden hatte, wird verboten, auch die Vereine. Bei der Militärregierung besteht noch keine Konzeption für den Sport. Ein totales Verbot ist jedoch nicht beabsichtigt.

Die Anweisung Nr. 17 der Kontrollratskommission vom 15. September 1945 erlaubt wieder die Gründung von Sportvereinen, soweit sie von den Dienststellen der Militärregierung genehmigt werden und sie keine militärischen oder nationalsozialistischen Ziele verfolgen.

Auch der Sport mußte sich neu orientieren. Bereits im Sommer 1945 treffen sich in Hildesheim Vertreter des Sports. Sie machen Vorschläge zum demokratischen Neuaufbau: Anstelle der früher weltanschaulich, konfessionell oder fachlich ausgerichteten Vereine sollen Einheitssportvereine mit Fachsportabteilungen treten. Die Gründung mehrerer Vereine ist erst in Mittel- und Großstädten erwünscht. Es entstehen die TSV-Vereine, Turn- und Sportvereine. Vereine und Verbände, die in früheren Jahren oft gegeneinander standen und sich bekämpft hatten, weil sie unterschiedlichen Verbänden angehört hatten, vereinigen sich zu einer Sportgemeinschaft. Die neuen Vereine nehmen häufig andere Namen an, weil die Militärregierung von einem Verbot der früheren Vereine ausgeht.

Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung des Sports ist die Direktive Nr. 23 der Militärregierung vom 17, Dezember 1945. Sie bestimmt, daß sämtliche vor der Kapitulation bestandenen sportlichen, militärischen oder paramilitärischen Organisation jede Betätigung einzustellen haben. Sportlichen Organisationen wird unter bestimmten Bedingungen die Genehmigung erteilt:

  • Sie müssen örtlichen Charakter haben
  • Sie dürfen die Kreisgrenzen nicht überschreiten und von keiner über dem Kreisniveau stehenden öffentlichen oder privaten Körperschaft überwacht oder gefördert werden.
  • Jede neugegründete Organisation bedarf der Genehmigung der alliierten Besatzungsbehörde und untersteht ihrer Aufsicht.

Die Militärregierung begrenzt den Sport auf die Kreisebene. Der Bildung überregionaler Fachverbände sind damit Hindernisse in den Weg gelegt, auch dem Sportverkehr über die Kreisgrenzen hinweg. Unabhängig davon hat sich auf Landesebene ein "Vorbereitender Vorstand im Turn- und Sportverband Niedersachsen" gebildet, der am 19. Dezember 1945 Vorschläge für eine Sportorganisation unterbreitet.

1946

Die Männer "der ersten Stunde", wie Heinrich Hünecke (Hannover) und Oscar Drees (Bremen) haben nur ein Ziel vor Augen: einen einheitlichen Sportbund zu schaffen. Ihre Devise ist: Wir können zweifelsohne weder dort anfangen, wo wir 1933 standen, noch da, wo der Sport 1945 aufhörte. Die Fehler der Vergangenheit müssen vermieden und das sportliche Leben von vornherein in gesunde Bahnen gelenkt werden.

Auch die Militärregierung schafft sich mit dem "Zonensportrat" ein Gremium als Ansprechpartner für den Sport. Der aus Vertretern der Länder Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein bestehende "Zonensportrat" diskutierte sehr kontrovers den Neuaufbau des Sports. Dabei kristallisierten sich zwei unterschiedliche Standpunkte zur künftigen Organisation des Sports heraus:

  1. Der Einheitssportverband: die Vereine werden Mitglied in einem einheitlichen Sportbund;
  2. Das Fachverbandsprinzip: Vereine werden Mitglieder in einem Fachverband. Nach diesem Prinzip ist lediglich der Landessportbund Nordrhein-Westfalen organisiert. Alle übrigen Landessportbünde sind Einheitssportverbände.

Auf lokaler Ebene kommt der Sport allmählich in Gang. Für die Sportausübung fehlt es aber noch an vielen Dingen. Sportkleidung und Geräte sind Mangelware. Viele Sportanlagen sind während des Krieges zweckentfremdet worden oder werden von der Besatzungsmacht für eigene Zwecke beschlagnahmt. Turnhallen sind zerstört oder mit Flüchtlingen belegt. Die Hallen können nicht geheizt werden; aber man kommt, um sich "warmzuturnen". Tore sind oftmals nicht mehr vorhanden, sie waren als Brennholz benutzt worden. Die Mannschaften treten in geflicktem Zeug an. Die Vereine sind glücklich, "Tommy-Hemden" aus englischen Beständen zu bekommen, die dann eingefärbt werden. Es gibt schon einmal Sportschuhe auf Bezugsscheine, was aber Ärger bei den Nichtbedachten hervorruft.

Die Not macht aber auch erfinderisch. In der Auslage eines Geschäftes kann man lesen "Biete Volksempfänger suche Fußballstiefel", "Tausche Kartoffeln gegen Handball". Oder es finden Benefiz-Spiele "Selbstversorger gegen Normalverbraucher" statt. Überhaupt ist die Ernährung ein wesentliches Hindernis für die Sportausübung. Für die meisten Menschen geht es ums Überleben.

Am 25. Juli 1946 gründen Vertreter der Länder Niedersachsen und Bremen im Hodlersaal des Rathauses Hannover den "Sportausschuß Niedersachsen" als Vorläufer des Landessportbundes Niedersachsen. zum Vorsitzenden wird Heinrich Hünecke gewählt. Paul Eule (Bremen) wird beauftragt, die Vorarbeiten zum Aufbau der Fachart Handball zu übernehmen. Die erste Handball-Arbeitstagung findet am 12. Oktober 1946 unter Vorsitz von Paul Eule in Bremen statt. Es nehmen Vertreter aus Bremen und Nordniedersachsen daran teil. Anwesend sind auch Karl Helmerding aus Hannover und Günter Dalibor aus Wilhelmshaven. Etwa zur gleichen Zeit bildet sich in Hamburg ein "Arbeitsausschuß für den Handball in der britischen Zone".
Am 15. Mai 1946 wird das Land Schaumburg-Lippe - ohne seinen Status als Land zu verlieren dem Regierungsbezirk Hannover unterstellt. Durch Verordnung Nr.55 der britischen Militärregierung vom 1. November 1946 wird das Land Niedersachsen als Zusammenschluß der früher selbständigen Länder Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe geschaffen. Am 23. November wird die Staatsregierung gebildet und Hinrich Wilhelm Kopf zum Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen ernannt.

1947

Der Winter 1947 ist extrem kalt. Zur Kälte kommen noch die weiter bestehenden Mängel hinzu. "Kohlenklau" von Güterzügen wird zum bevorzugten "Sport". Für den Aufbau des Handballsports gehen von Paul Eule keine Initiativen aus. Er tritt am 31. März 1947 zurück. Dadurch ist viel wertvolle Zeit für den Aufbau einer überregionalen Organisation für den Handballsport verlorengegangen.

Am 21. März1947 findet der 1. Landessporttag des "Sportbundes Niedersachsen" in Hannover statt. Es wird eine Satzung beschlossen, die auch das Verhältnis zu den Fachverbänden regelt. Darin heißt es: Die Fachverbände des Bundes geben sich ihre Satzung unter Wahrung der Satzungen und Ordnungen des Bundes. Sie führen die Bezeichnung Sportbund Niedersachsen - Fachverband z.B. Handball. Weitere Bestimmungen:

  • Der Sportbund Niedersachsen ist die auf freiwilliger Grundlage beruhende Vereinigung der Kreissportbünde.
  • Die Sportbünde gliedern sich auf der Kreis-, Bezirks- und Landesebene in Fachverbände.
  • Die Sportbünde sind in allen überfachlichen und allgemeinen Fragen zuständig, die Fachverbände lösen die rein fachlichen Aufgaben.

Zum 1. Vorsitzenden des Sportbundes Niedersachsen wird Heinrich Hünecke gewählt. Zunächst sind die Kreissportbünde Mitglied im Landessportbund Niedersachsen, 1951 werden es durch eine Satzungsänderung die Vereine. Mit dem Aufbau der Fachart Handball wird Karl Helmerding kommissarisch vom Vorsitzenden des Sportbundes Niedersachsen beauftragt.
Zum 19, April beruft Karl Helmerding mit Genehmigung der Militärregierung sämtliche Bezirksfachwarte zu einer Tagung in Hannover-Herrenhausen ein. Ein "Vorläufiger Verbandsausschuß Handball" wird ins Leben gerufen. Vordringlichste Aufgaben sind zunächst die Klärung von Aufbau- und Organisationsfragen:

  • Die Gründung eines selbständigen Verbandes wird abgelehnt.
  • Die offizielle Bezeichnung lautet: SPORTBUND NIEDERSACHSEN - FACHVERBAND HANDBALL
  • Es bleibt bei der Einstufung Kreis, Bezirk, Verband.
  • Zur Ausarbeitung von Satzungen und Wettspielbestimmungen wird ein Ausschuß gebildet.

Die Wahlen zum vorläufigen Ausschuß ergeben:

  • Verbandsfachwart: Karl Helmerding
  • Verbandspielwart: Eitel Chuchra
  • Schriftwart: Hermann Klemme
  • Kassenwart: Alfred Sempf
  • Schiri-Obmann: Heinz Muhle
  • Jugendwart: Ludwig Landgraf
  • Lehrwart: Fritz Fromm

Noch immer hat der Sport mit den materiellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Fahrten zu Auswärtsspielen werden auf z.T. mit Holzgas betriebenen LKW durchgeführt, auf die man Bänke stellt. Das Benzin ist rationiert und wird begrenzt Sportvereinen zugeteilt. Weitere Beispiele: Spielberichte mußten auf Makulatur z.B. auf der Rückseite eines Bestellscheins für entrahmte Frischmilch geschrieben werden. Wer die Zeitschrift "Niedersachsen-Sport" beziehen wollte, mußte dafür 5 kg Altpapier abliefern. Noch zum Herbstvergnügen 1947 des VJ Peine mußte jeder Gast ein Brikett mitbringen.

Anfang Mai erhöht die Militärregierung die monatliche Brotration um 500 Gramm. Das sind 17 Gramm am Tag oder 1/3 Scheibe. Aus der Chronik des Turnklubbs zu Hannover: "Unsere Frauen führten in dieser Zeit noch einige Länderspiele durch. Man fuhr aufs Land und machte Spiele Marmelade gegen Schinken und ließ sich kräftige Nahrung, die die Städter durchweg entbehren mußten, gut schmecken." Auch im MTV Braunschweig bildeten die Herren eine "Ländermannschaft", obwohl kein Nationalspieler dabei war. Sie war allerdings schon in der Gründerzeit des Handballs entstanden. Diesen Namen verdiente sie sich dadurch, daß sie ihre Hauptaufgabe darin sah, den kleinen Vereinen auf dem Lande zu helfen. Durch Spiel und Geselligkeit, darin waren sie Meister, hat sie viele Freunde und Anhänger für den Handballsport gewonnen. Nach 1945 fährt der MTV Braunschweig aus anderen Gründen wieder aufs Land, gibt "Entwicklungshilfe" - und umgekehrt.

Der Chronik des MTV Wolfenbüttel entnehmen wir: "Zu einem Leckerbissen im Handball war es am 4. April in Wolfenbüttel gekommen, als die Spitzenmannschaft von Berlin-Wilmersdorf, mit so bekannten Spielern wie Ranze, Licka und Hippter sich hier vorstellte. Berlin siegte mit 10:2 Toren. Es gab eine Rekordeinnahme von 1865 RM. Allerdings waren die Ausgaben auch enorm: 40 Prozent Vergnügungssteuer an die Stadt, 5 Prozent an den Handball-Verband, 482 RM an die Gastmannschaft und weitere kleinere Ausgaben." In der Mannschaft des MTV Wolfenbüttel spielten u.a. Hans Stromsdörfer und Walter Schönrogge. Der Knabenturnwart Rudolf Feldberg teilt mit, daß keine Handballmannschaft bei den Knaben aufgestellt werden kann, weil kein Turnzeug vorhanden ist. Selbst beim Turnen müßten die Jungen im Straßenanzug erscheinen und man könne nicht verlangen, daß das letzte Zeug noch auf dem Sportplatz zerrissen würde. Das 1. Jugend-Handball Großturnier der britischen Zone wird bereits Pfingsten 1947 mit Beteiligung von Jugendmannschaften aus Bremen, Flensburg, Gevelsberg, Hamburg, Hannover, Wilhelmshaven, Frankfurt, Kassel und Waldhof-Mannheim unter der Schirmherrschaft des seinerzeitigen Jugend-Zonenreferente Siegfried Perrey in Braunschweig durchgeführt.

Die Gründungsversammlung des Fachverbandes Handball findet am 2. und 3. August in Melle statt. 140 Delegierte aus allen Bezirken nehmen daran teil. Das "Herrenhäuser-Protokoll" wird genehmigt, Satzungen und Wettspielbestimmungen beschlossen. Gespielt wird bei den Männern ausschließlich in Oberliga, Bezirks- und Kreisklasse; die Teilung der Oberliga als höchste Spielklasse in eine Nord- und Südstaffel bleibt bestehen. Für die Frauen werden in fast allen Bezirken Bezirksklassen eingerichtet. Der Verband erhielt zunächst den Namen Sportbund Niedersachsen Fachverband Handball. Dieses hat seine Bewandtnis darin, daß der am 25. Juni 1946 gegründete Sportbund Niedersachsen in seiner am 21. März 1947 verabschiedeten Satzung verlangt, daß im Namen der Verbände die Zugehörigkeit zum Sportbund zum Ausdruck kommen muß.

Der Vorstand vom 19. April wird bestätigt und erweitert um den stellvertretenden Verbandsfachwart, den Gruppenspielwart Nord, den Gruppenspielwart Süd, einen Verbandsfrauenwart und den Verbandspressewart. Der erste Vorstand des Fachverbandes Handball setzt sich wie folgt zusammen:

  • Verbandsfachwart: Karl Helmerding, Hannover
  • Stellvertreter: Günter Dalibor, Wilhelmshaven
  • Verbandskassenwart: Alfred Sempf, Peine
  • Verbandsschriftwart: Hermann Klemme, Hannover
  • Verbandsspielwart: Eitel Chuchra, Hannover
  • Gruppenspielwart Nord: Günter Dalibor, Wilhelmshaven
  • Gruppenspielwart Süd: Otto Giesemann, Hannover
  • Verbandsschiedsrichterobmann: Heinz Muhle, Osnabrück
  • Verbandsjugendwart: Ludwig Landgraf, Braunschweig
  • Verbandsfrauenwart: Werner Schacht, Northeim
  • Verbandslehrwart: Fritz Fromm, Hannover
  • Verbandspressewart: Heiner Gattermann, Braunschweig

Das Kurhotel in Melle gibt an diesem ersten Wochenende des August 1947 schon äußerlich den gebührenden Rahmen ab und die örtlichen Handballfreunde sorgen für einen reibungslosen und angenehmen Ablauf. Charakteristisch ist auch die Situation dieser Tage im Sommer 1947: Auf den Einladungskarten der Delegierten zum Mittagessen im Kurhaus steht: "Besteck und 10 Gramm Fett (Lebensmittelmarken) pro Eintopf sind mitzubringen!"

Zwischen den Grußansprachen und dem Eintritt in die Tagesordnung singt man gemeinsam das Lied: "Freunde, seid in unserm Kreise heute herzlich gegrüßt - laßt ertönen hell die Weise, die die Herzen schnell erschließt, stimmt ihn an, den Sang der Freude, daß es ferner also sei, daß der Bund zu allen Zeiten, wachse, blühe und Gedeih!"

Einige Anträge befassen sich mit spieltechnischen Fragen. Andere befassen sich mit der Staffeleinteilung, besonders der Spitze des Verbandes, aber auch mit geographischen und Grenzproblemen gegenüber Hamburg und Bremen, Fragen der Lehrarbeit und des Schiedsrichterwesens werden erörtert und besonders auf die Bedeutung der Jugendarbeit hingewiesen. Wie schwierig das alles zwei Jahre nach Kriegsende ist, kennzeichnen Äußerungen wie "wenn wir genug Geld dafür haben" und "wenn Fahrzeuge zu bekommen sind" oder "sobald Papier zur Verfügung steht".

Waren die Verhandlungen getragen von Nüchternheit und Sachlichkeit, so wehte noch einmal ein Hauch von Pathos über die Teilnehmer als Karl Helmerding die Delegierten mit den Worten verabschiedete: "Wir müssen Flammenträger unserer Bewegung sein und die Jugend als Wegbereiter zu höheren und lichteren Höhen führen". Mit einem "Gut Sport" gingen die Teilnehmer auseinander, um noch zwei Repräsentativspielen beizuwohnen, bevor sie sich auf den sicherlich beschwerlichen - Heimweg machten. Sie hatten historische Handballstunden gestaltet oder miterlebt.

Am 15. Oktober verselbständigt sich der Landessportbund Bremen, der bisher dem Sportbund Niedersachsen als Bezirk angegliedert war. Vier Spieltage nach dem Beginn der Oberliga-Runde nehmen die Bremer Mannschaften nicht mehr am Spielbetrieb teil. Das bedeutet einen erheblichen Rückschlag. Günter Dalibor gelingt es dennoch, die Spielreihe termingerecht zu beenden.

1948

Die Währungsreform am 20. Juni 1948 bringt mehr Klarheit in das wirtschaftliche Leben. Jeder Bürger erhält einmalig 40 Deutsche Mark. Die Tauschwirtschaft ist vorbei, es gibt wieder Ware gegen Bares. Den Vereinen und Verbänden aber fehlt das Startkapital. Die Jugendvergleichskämpfe fallen der Währungsreform zum Opfer. Dagegen kann ein Frauen-Vergleichskampf Nord gegen Süd am Bußtag in Northeim durchgeführt werden. Dieser schöne Kampf endete nach beiderseitig beachtlichen Leistungen 3:3.

Zum 2. Verbandstag am 7./8. August 1948 kommen nur die Hälfte der möglichen Delegierten - aus Gründen der Währungsreform. Die Anwesenden aber singen "Frei und unerschütterlich..." mit dem Schlußsatz "...niemals mutlos werden!" Auch die Finanzen des Verbandes haben unter der Abwertung gelitten. Der Bestand von 23577,36 Reichsmark schrumpfte auf 2355,73 Deutsche Mark, die aber zunächst nur zur Hälfte zur Verfügung stehen. Der Verbandstag beschließt einen "Opferspieltag" einzuführen. Für 1948 wird der Sonntag vor dem Bußtag dafür bestimmt, in den nächsten Jahren der erste Sonntag im November. Alle Einnahmen aus den Spielen sind nach Abzug der Unkosten an den Verband abzuführen.

Am Spielbetrieb beteiligen sich bereits 2351 Mannschaften. Erster Niedersachsenmeister wird der TSV "Germania" Wilhelmshaven. Die sich zwei Tage hinziehenden Verhandlungen führten zu Ermüdungserscheinungen. Am Sonntagvormittag, als es um die Behandlung von Staffeleinteilungen usw. ging, heißt es im Protokoll: "Hier unterbricht Karl Helmerding die inzwischen recht aufgelockerte Versammlung, um alle Anwesenden wieder hereinzuholen."
Der Verbandstag bringt einige personelle Veränderungen. Für den im letzten Herbst ausgeschiedenen Spielwart Eitel Chuchra wird der 2. Vorsitzende Günter Dalibor gewählt. Anstelle von Hermann Klemme als Schriftwart tritt Albert Grünert, Lehrte. Auf 26 eng beschriebenen Schreibmaschinenseiten wird der Verbandstag dokumentiert. Am Anfang der Neuorganisation gibt es eben viel zu regeln. Ob über Spielklasseneinteilung, Abgrenzung gegenüber Bremen und Hamburg, Schaffung einer Norddeutschen Oberliga oder eines Verbandsorgans - über viele Fragen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Aber man rauft sich zusammen. 1948 besteht die Niedersachsenliga aus zwei Staffeln:

  • Ost
    TSV Lehndorf, TC Einbeck, MTV Braunschweig, SV Soltau, TSV Burgdorf, TSV Braunschweig, TSG Hann.-Münden, TSG Osterode, MTV Schladen, Eintracht Hildesheim, TV Wietzendorf

  • West
    RSV Lehrte, TuS Lingen, MTV Leinhausen, Oldenburger TB, TURA Melle, Eintracht Osnabrück, TuS Bramsche, SV Limmer 1910, TSV Hainholz, SV Ahlem, TuS Aurich, TSV Varel

Der erste Schiedsrichter-Lehrgang findet 1949 in Rüstersiel statt.

Im Dezember beschließt der Niedersächsische Landtag ein Sportwettengesetz. Die Niedersächsische Toto-Gesellschaft, die zunächst vom Landessportbund und Niedersächsischen Fußball-Verband betrieben wird, richtet im ganzen Lande 250 Annahmestellen ein, in denen am 2. Januar 1949 Wettscheine verkauft werden. Von nun an fließen dem Sport Mittel aus der Konzessionsabgabe zu.

1949

Der 3. Verbandstag wird in Anwesenheit des 1. Vorsitzenden des Sportbundes Niedersachsen, Heinrich Hünecke, am 25./26. Juni 1949 in Uelzen durchgeführt. Es geht - wie vorher schon in einer außerordentlichen Tagung in Walsrode diskutiert - um das Für und Wider selbständiger Fachverbände und den Sportbundgedanken. Man spricht sich bei der gegebenen Struktur der Vereine für den Bund aus, befürwortet aber auch die fachliche Selbständigkeit der Fachverbände bis zur obersten Spitze, die zur Gründung eines Deutschen Handball-Bundes führen muß. Der Vorstand erhält ausnahmslos das Vertrauen der Delegierten. Es wird beschlossen, daß jeder Jugendspieler und jede Jugendspielerin sich einer sportärztlichen Untersuchung unterziehen muß, um an Meisterschaftsspielen teilnehmen zu können.
Auf einer späteren Tagung, als es um die Herausgabe einer eigenen Verbandszeitschrift geht, wird Erwin Bergheim für Heiner Gattermann mit den Aufgaben des Pressewartes beauftragt.
Die 1. Deutschen Jugendmeisterschaften finden auf niedersächsischem Boden in Braunschweig statt. Anwesend sind Willi Daume, der spätere 1. Vorsitzende des Deutschen Handball-Bundes und Deutschen Sportbundes, sowie Siegfried Perrey, der Spielwart des Deutschen Handball-Bundes.
In Mühlheim wird am 1. Oktober der Deutsche Handball-Bund gegründet. Zum Präsidenten wird Willi Daume gewählt. Erster Geschäftsführer wird Wim Thoelke, der spätere Fernsehstar. Deutschland ist immer noch von internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen. Auf der Ratstagung der Internationalen Handball-Föderation am 6. August wird auf Antrag der Schweiz und Schwedens beschlossen, daß ab sofort Spiele mit deutschen Vereinsmannschaften stattfinden können. Für den Antrag sprechen sich sämtliche anwesenden Verbände mit Ausnahme von Ungarn und Luxemburg aus. Es beginnt ein reger Spielverkehr mit schwedischen Mannschaften.
An der norddeutschen Meisterschaft nehmen drei Mannschaften aus Niedersachsen teil: TSV "Germania" Wilhelmshaven, VfB Rot-Weiß Braunschweig und SV Bult Hannover. Mannschaften aus Lüneburg und Winsen wickeln ihren Spielbetrieb immer noch mit Hamburg ab. Für das aufkommende Hallen-Handballspiel fehlen ausreichend Hallen. 1949 muß sich die Ermittlung des Landesmeisters auf die Austragung einer Landesrunde der besten Mannschaften in Osnabrück beschränken. Mangels Übungs- und Wettkampfmöglichkeiten ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Bei den norddeutschen Meisterschaften landen die beiden niedersächsischen Vertreter unter "ferner liefen..."


 

 


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